mich Als ein halbes Jahr in vergeblicher Erwartung vergangen war erstarb endlich meine Hoffnung und dann war in der That Alles dunkel um mich her Ein schöner Frühling erblühte ich konnte mich seiner nicht erfreuen Der Sommer näherte sich Diana suchte mich zu erheitern sie behauptete ich sehe leidend aus und wünschte mich an die Seeküste zu begleiten Dem widersetzte sich Saint John er sagte ich bedürfe nicht der Zerstreuung sondern der Beschäftigung mein gegenwärtiges Leben sei zu zwecklos ich müsse mein Streben auf höhere Ziele richten Vielleicht um diesen Mangel zu ersetzen verdoppelte er meine Lectionen der hindostanischen Sprache und drang darauf daß ich mir die vollständige Kenntnis derselben aneigne Ich war thöricht genug mich ihm zu fügen ich konnte ihm nicht widerstehen Eines Tages saß ich trostloser als je bei meinen Studien meine Stimmung war durch eine lebhaft empfundene getäuschte Hoffnung veranlaßt worden Hannah hatte mir am Morgen gesagt es wäre ein Brief an mich gekommen und als ich hinunterging um ihn in Empfang zu nehmen in der Ueberzeugung daß endlich die lange erwartete Nachricht eingetroffen sei fand ich nur einen unbedeutenden Geschäftsbrief von Herrn Briggs Die bittere Täuschung hatte mir Thränen entlockt und jetzt als ich mich mit den verzwickten Schriftzügen eines indischen Schriftstellers beschäftigte füllten sich meine Augen von Neuem mit Thränen Saint John rief mich an seine Seite um zu lesen indem ich dies zu thun versuchte versuchte mir die Stimme und Schluchzen erstickte meine Worte Ich war mit ihm allein Diana musicirte im Gesellschaftszimmer Maria war im Garten beschäftigt denn es war ein sehr schöner Maitag Mein Lehrer befragte mich nicht über die Ursache meiner Thränen sondern sagte nur Wir wollen noch einige Minuten warten Johanna bis Sie sich wieder gefaßt haben Während ich meine Erregung hastig zu unterdrücken suchte saß er ruhig und geduldig da lehnte sich über sein Pult und glich einem Arzte der mit dem Auge der Wissenschaft eine erwartete und ihm wohlverständliche Krisis in der Krankheit eines Patienten beobachtet Ich trocknete meine Augen und flüsterte ich sei nicht ganz wohl diesen Morgen Saint John legte die Bücher weg schloß sein Pult und sagte Jetzt Johanna sollen Sie mit mir einen Spaziergang machen Ich werde Diana und Maria rufen Nein ich bedarf diesen Morgen nur einer einzigen Begleiterin und die sollen Sie sein Legen Sie Hut und Halstuch an gehen Sie zur Hinterthür hinaus und schlagen Sie den Weg nach Marsh-Glen ein ich werde Sie sehr bald einholen Ich habe in meinem Leben nie einen Mittelweg gekannt zwischen unbedingter Unterwerfung und entschlossenem Widerstande wenn ich mit festen und unbeugsamen Charakteren zu thun hatte die dem meinigen widerstrebten Ich habe stets getreulich den einen Weg verfolgt bis ich plötzlich oft mit elementarer Gewalt mich auf den anderen stürzte und da ich in meiner gegenwärtigen Stimmung nicht zu einer Empörung geneigt war so gehorchte ich ohne Weiteres Saint Johns Anordnungen und zehn Minuten später ging ich neben ihm auf dem wilden Fußpfade durch die Schlucht Der sanfte Wind führte den lieblichen Duft des