meinem Zimmer die Thür war nur angelehnt ich konnte horchen und beobachten Adele nahm deine äußere Aufmerksamkeit auf eine Weile in Anspruch doch ich bildete mir ein daß deine Gedanken anderswo waren Als sie dich endlich verließ versankest du in eine tiefe Träumerei und begannst langsam in der Gallerie auf und abzugehen Von Zeit zu Zeit wenn du an einem Fenster vorüberkamst blicktest auf den seufzenden Wind und wieder gingst du dann leise und träumerisch hin und her Ich glaube jene Träume mit offenen Augen waren nicht düster es war zuweilen ein freudiges Aufleuchten in deinem Anlitz zu bemerken eine sanfte Aufregung in deinem ganzen Wesen die sein hypochondrisches Brüten verrieth Dein Blick zeigte vielmehr das süße Sinnen der Jugend wenn der Geist auf willigen Schwingen dem Fluge der Hoffnung zu einem idealen Himmel folgt Die Stimme der Mistreß Fairfax die in der Vorhalle mit einer Dienerin sprach erweckte dich und um deinen Mund erschien ein eigenthümliches Lächeln welches über deine eigene Zerstreutheit zu spötteln und zu sagen schien Meine schönen Traumbilder sind alle sehr gut aber ich darf nicht vergessen daß sie durchaus wesenlos sind Ich habe einen rosigen Himmel und ein grünes blumenreiches Eden in meinem Gehirn aber draußen das sehe ich wohl liegt ein rauer Pfad über den ich wandern muß Ungeduldig erwartete ich den Abend wo ich dich zu mir rufen konnte Ich vermuthe daß dein Charakter ein ein ungewöhnlicher für mich völlig neuer sei ich wünschte ihn zu prüfen und näher kennen zu lernen Du tratest mit scheuem Blick ins Zimmer du warst zierlich gekleidet fast so wie jetzt ich zog dich in ein Gespräch und fand bald seltsame Widersprüche an dir heraus Deine Kleidung und dein Benehmen waren einer gewissen Regel unterworfen deine Miene war oft mißtrauisch aber sie verrieth ein Wesen von höherer Natur welches nur nicht an die Gesellschaft gewöhnt und sehr ängstlich war sich auf unvortheilhafte Weise durch irgend ein Versehen bloßzustellen Doch als du angeredet wurdest erhobst du ein lebhaftes kühnes und glühendes Auge es lag Scharfsinn und Kraft in jedem deiner Blicke Wenn man bestimmte Fragen an dich richtete fandest du sogleich passende Antworten Sehr bald schienst du dich an mich zu gewöhnen ich glaube du fühltest daß zwischen dir und deinem trotzigen und gebieterischen Herrn ein symbolischer Berührungspunkt bestand denn es war erstaunlich zu sehen wie schnell eine gewisse angenehme Ruhe in dein Wesen einkehrte Ich mochte brummen wie ich wollte du zeigtest keine Ueberraschung Furcht Aerger oder Mißfallen du beobachtest mich du lächeltest zuweilen über mich mit einer verständnisvollen Anmuth die ich nicht beschreiben kann Ich war zufrieden mit dem was ich sah und wurde davon angeregt ich wünschte mehr zu sehen doch lange Zeit behandelte ich dich kalt und suchte nur selten deine Gesellschaft Die Furcht beunruhigte mich dazs die Blüthe verwelken möchte wenn ich die Blume zu frei berührte daß der süße Reiz der Frische sie verlassen könnte Ich wußte damals ja noch nicht daß die Blüthe keine vergängliche sondern aus einem unzerstörbaren Edelstein geschnitten