Thee eine Zeitlang auf dem Steinpflaster vor der Thür auf und ab meine Gedanken weilten bei Ihnen und meine Phantasie führte mir Sie so lebhaft vor daß ich kaum Ihre wirkliche Gegenwart entbehrte Ich dachte an das Leben welches vor mir lag ich dachte auch an Ihr Leben mein Herr um so viel bewegter und reicher als die Tiefen des Meeres es im Vergleiche mit dem Bache sind der sich in dieses ergießt Ich wunderte mich wie die Moralisten diese Welt eine öde Wildnis nennen können für mich war sie blühend wie ein Rosengarten Bei Sonnenuntergang wurde die Luft kalt und der Himmel bewölkt ich ging ins Haus Sophie rief mich die Treppe hinauf damit ich mein Hochzeitskleid ansehe welches man gerade gebracht hatte Und darunter fand ich in der Kiste Ihr Geschenk den Schleier den Sie in Ihrer fürst lichen Verschwendung von London kommen ließen ver muthlich um mich da ich keine Juwelen wollte zu zwingen doch etwas ebenso Kostbares zu tragen Ich lächelte als ich die Spitzen auseinander faltete und dachte darüber nach wie ich ihnen wegen Ihres ari stokratischen Bemühens Ihre bürgerliche Braut in die Attribute der Pairswürde zu kleiden einen kleinen Streich spielen wollte Ich nahm mir vor Ihnen den viereckigen ungestickten Blondenschleier zu zeigen den ich selber zur Bedeckung meines niedrig geborenen Hauptes bestimmt hatte und Sie zu fragen ob der selbe nicht gut genug sei für eine Braut welche ihrem Gatten weder Schönheit Vermögen noch hohe Ver bindungen zubringe Ich sah deutlich Ihren Blick und hörte schon den stolzen Ausspruch daß Sie nicht nöthig hätten durch eine Heirat Ihren Reichthum zu ver mehren oder Ihren Rang zu erhöhen Wie gut hast du meine Gedanken errathen kleine Hexe fiel Herr Rochester ein aber was fandest du noch weiter bei dem Schleier Lag etwa Gift oder ein Dolch dabei daß du jetzt so traurig aus siehst Nein nein Herr außer dem zarten und köstlichen Gewebe fand ich nichts als Fairfax Rochester 's Stolz und dieser erschreckte mich nicht weil ich an den An blick dieses Dämons schon gewöhnt bin Aber mein Herr als es dunkel wurde erhob sich der Wind er blies gestern Abend nicht so heftig wie jetzt sondern in einem klagenden unheimlichen Tone so daß ich wünschte Sie wären zu Hause Ich ging in dieses Zimmer und der Anblick des leeren Stuhles und des feuerlosen Kamins machte mich frösteln Als ich zu Bett gegangen war konnte ich lange Zeit nicht schlafen eine ängstliche Aufregung hatte sich meiner be mächtigt Der Wind wehte noch stark und dazwischen glaubte ich ein dumpfes Wimmern zu vernehmen Ob es im Hause oder draußen war konnte ich Anfangs nicht unterscheiden aber in Augenblicken wo der Sturm schwieg wurde es wieder unheimlich hörbar Endlich glaubte ich zu entdecken daß es ein Hund sei der in der Ferne heule Ich war froh als es endlich aufhörte Als ich einschlief setzte sich in meinen Träumen der Gedanke an eine dunkle und stürmische Nacht fort In völliger Dunkelheit und bei strömen dem Regen