nicht durch die Gallerie gehen die sonst so still gewesen noch in die sonst unbewohnten Vorderzimmer treten ohne einer zierlichen Kammerjungfer oder einem betreßten Diener zu begegnen Die Küche das Bedientenzimmer und die Vorhalle waren stets belebt und die Salons wurden nur leer wenn der blaue Himmel und der ruhige Sonnenschein des milden Frühlingswetters die Bewohner in den P ark lockte Auch als dieses schöne Wetter auf einige Tage durch Regen unterbrochen wurde schien die Freude nicht gedämpft zu werden die Geselligkeit im Hause wurde nur umso lebhafter und die Unter haltung umso abwechselnder Ich habe bereits eingestanden daß ich Herrn Rochester lieben gelernt hatte und ich konnte dieses Gefühl nicht in mir zurückdrängen oder ertödten trotzdem ich bemerkte daß er aufgehört habe mich zu beachten daß ich Stunden in seiner Gegenwart zu bringen konnte ohne daß er seine Augen auf mich richtete und daß ich all seine Aufmerksamkeit von einer großen Dame in Anspruch genommen sah die se ich scheute mich im Vorübergehen auch nur mit dem Saum ihres Gewandes zu berühren und deren dunkles und gebieterisches Auge wenn es zufällig auf mich fiel sich augenblicklich wieder abwandte wie von einem der Veachtung unwürdigen Gegenstande Ich konnte nicht aufhören Herrn Rochester zu lieben obwohl ich mich überzeugt hielt daß er bald eben diese Dame heiraten werde obgleich ich täglich bemerken konnte daß sie diese Absicht mit siegesbewußter Sicherheit erkannte und durch die stolze scheinbare Nachlässigkeit womit sie seine Bewerbung erwiderte nur umso unwiderstehlicher erschien Es lag nichts in diesen Umständen das geeignet gewesen wäre meine Liebe abzukühlen oder zu verscheuchen auch das Gefühl der Eifersucht blieb mir fern wenn ein Mädchen in meiner Lage sich überhaupt herausnehmen konnte auf eine Dame wie Miß Ingram eifersüchtig zu sein Der Schmerz den ich litt war nicht durch dieses Wort zu erklären So widerspruchsvoll es auch scheinen mag so vermochte Miß Ingram doch nicht dieses Gefühl zu erregen Sie war sehr prunkend aber nicht echt sie hatte eine schöne Gestalt und manche glänzende Fertigkeiten aber ihr Geist war von Natur arm und ihr Herz unfrucht bar Nichts blühte aus eigenem Triebe auf diesem Boden keine natürliche Frucht erfreute durch ihre Frische Blanca war nicht gut sie war nicht originell sie führte hochtönende Phrasen aus Büchern im Munde und hatte nie ein selbstständiges Urtheil Sie schlug einen hohen Ton des Gefühles an doch kannte sie die Empfindungen der Sympathie und des Mitleides nicht Zärtlichkeit und Wahrheit lagen nicht in ihr Nur zu oft verrieth sie dies durch den ärgerlichen Widerwillen denn sie gegen die kleine Adele gefaßt hatte Zuweilen stieß sie diese mit einem verächtlichen Worte von sich wenn sie zufällig in ihre Nähe kam zuweilen befahl sie ihr das Zimmer zu verlassen und nie behandelte sie das Kind anders als mit Kälte und Härte Noch andere Augen als die meinigen beobachteten diese kleinen Charakterzüge scharf und genau Ja der künftige Bräutigam Herr Rochester selbst übte eine unaufhörliche Wachsamkeit über Blanca aus mit scharf beobachtendem Blicke erkannte er ihre Fehler und vergebens suchte