Im Gegentheil sagte ich ich verriegelte meine Thür So haben Sie also nicht die Gewohnheit jede Nacht ihre Thür zu verriegelt ehe Sie zu Bette gehen Das böse Weib sucht meine Gewohnheiten zu erfahren um daraus für ihre Pläne Nutzen zu ziehen dachte ich Der Unwille trug wieder den Sieg über die Klugheit davon und ich entgegnete heftig Bisher hielt ich es nicht für nöthig den Riegel vorzuschieben denn ich wußte nicht daß irgend eine Gefahr in Thornfield-Hall zu fürchten sei aber künftig fügte ich mit Nachdruck hinzu werde ich meine Thür sorgfältig verriegeln ehe ich mich niederzulegen wage Das wird gerathen sein war ihre Antwort diese Gegend ist so ruhig wie nur irgend eine und ich hörte nie daß in Thornfield-Hall ein Raubversuch gemacht worden wäre obgleich für viele hundert Pfund Silberzeug im Silberschrank ist Und sehen Sie für ein so großes Haus sind sehr wenige Diener da weil der Herr niemals lange hier bleibt und wenn er herkommt so bedarf er als einzelner Mann auch wenig Aufwartung aber ich halte es für das Beste lieber zu viel als zu wenig zu thun Eine Thür ist bald geschlossen und es ist immer gut einen Riegel zwischen sich und jedem Unheil zu haben welches einem be gegnen kann Hier schloß sie ihre Rede die für ihre gewöhnliche Wortkargheit sehr lang war und ich stand völlig stumm da bei dem was mir als wunderbare Selbst beherrschung und raffinirte Heuchelei erschien Während des Mittagessens hörte ich kaum auf den Bericht der Mistreß Fairfax über den Brand so sehr war mein Kopf mit Nachdenken über den räthselhaften Charakter der Gratia Poole sowie über die Stellung welche sie eigentlich in Thornfield einnehmen mochte beschäftigt und ich fragte mich warum man sie am Morgen nicht in Gewahrsam gebracht oder wenigstens aus dem Dienste entlassen habe Herr Rochester hatte in der letzten Nacht seine Ueberzeugung von ihrer Strafbarkeit so gut wie ausgesprochen welche geheimnisvolle Ursache hielt ihn denn zurück sie anzuklagen Warum hatte er mir Schweigen auferlegt Es war auffallend Ein kühner rachsüchtiger und stolzer Herr schien auf irgend eine Weise in der Macht einer der niedrigsten seiner Untergebenen zu sein so sehr in ihrer Macht daß selbst wenn sie ihre Hand gegen sein Leben erhob er ihr den Ver such nicht offen zur Last zu legen und noch viel weniger sie deshalb zu bestrafen wagte Wäre Gratia Poole jung und schön gewesen so hätte ich auf den Gedanken kommen können daß in Betreff ihrer Person zärtlichere Gefühle als Klugheit oder Furcht auf Herrn Rochester einwirkten doch sie sah ältlich aus und hatte harte Gesichtszüge es war also nicht an derartiges zu denken Doch sie ist einst jung gewesen dachte ich weiter und muß mit ihrem Herrn im gleichen Alter sein Mistreß Fairfax sagte mir einst sie wäre schon seit vielen Jahren hier Ich glaube nicht daß sie je hübsch gewesen sein kann aber sie mag Eigenthümlich keiten und Charakterstärke besitzen und dadurch für den Mangel persönlicher Vorzüge entschädigen Herr Rochester liebt das Entschiedene und Excentrische