wieder bange und traurig Wohl war es meine Heimat gewesen doch wie lange würde ich noch dort bleiben können fragte ich mich Frau Fairfax hatte mir nach Gateshead-Hall geschrieben die lustige Gesellschaft sei auseinandergegangen und Herr Rochester nach London gereist um wie sie vermute die letzten Vorbereitungen zu seiner Hochzeit zu treffen Wohin soll ich dann Das war die große schwere Frage die nun vor mich hintrat In Milcote verließ ich die Postkutsche um von dort aus über die Felder nach Thornfield zu laufen Es war ein schöner Tag Auf den Wiesen waren die Mäher mit ihrem Tagewerk zu Ende und machten sich die Sensen und Heugabeln über der Schulter auf den Heimweg Die Rosen blühten an den Hecken Ich bog um ein dichtes Gestrüpp herum dessen Zweige tief über den Pfad herniederhingen da sah ich eine Zaunstiege vor mir und daneben saß ein Buch in der Hand Herr Rochester Ich schreckte zurück und wollte kehrtmachen um einen andern Weg einzuschlagen Aber er hatte mich schon gesehen Hollah ’ rief er da sind Sie ja Sie bleiben lange aus Einen ganzen Monat sind Sie von Hause weggeblieben Sicherlich haben Sie mich ganz vergessen Sie kleine Tagediebin Ich hatte es vorher gewußt es würde eine große Freude für mich sein meinen Herrn wiederzusehen wenn sie auch durch die Furcht gedämpft wurde daß er nicht mehr lange mein Herr sein würde Nun schienen seine letzten Worte gar anzudeuten daß es ihm nicht ganz gleichgültig sei ob ich ihn vergäße oder nicht und er hatte Thornfield mein Heim genannt Ach rief es in mir wenn es mir das doch bleiben könnte Er gab die Stiege nicht frei und ich hatte nicht den Mut ihn darum zu bitten daß er mir Platz mache Dann fragte ich ihn ob er nicht in London gewesen sei Jawohl kleine Fee Vermutlich hat die Gabe des zweiten Gesichts Sie das erraten lassen Nein Frau Fairfax hat es mir geschrieben Sie müssen den Wagen sehen Johanna den ich für meine zukünftige Gattin gekauft habe Ich meine sie wird wie eine Königin darin aussehen Ich wünschte nur ich wäre äußerlich ein wenig passender für sie Sie sind doch eine Elfe wissen Sie kein Zaubermittel keinen Trunk und kein Bad oder dergleichen das einen schönen Mann aus mir machen könnte Dazu reicht keine Zauberkraft aus Herr Rochester antwortete ich und bei mir selber setzte ich hinzu Dem liebenden Auge ist alles schön und der Ernst Ihres Gesichts hat eine Macht die mehr ist als alle Schönheit Herr Rochester hatte oft schon Gedanken die ich unausgesprochen ließ mit einem mir ganz unerklärlichen Scharfsinn von meinem Gesicht abgelesen Diesmal jedoch schien er keine Notiz von meiner Antwort zu nehmen aber um seine Lippen spielte jenes nur ihm eigene Lächeln das gleich einem Sonnenstrahl sein Antlitz erleuchtete und wie ein solcher auch mich erwärmte Gehen Sie heim Johanna sagte er und machte mir Platz Lassen Sie Ihren kleinen müden Fuß am Kamin eines Freundes ruhen Ich ging schweigend an ihm vorüber und wollte weitergehn