denkt ich werde sprechen bloß um zu sprechen und mich ihm zu offenbaren so irrt er sich dachte ich bei mir Sie bleiben stumm Fräulein fuhr er fort und sah mich an als wenn er mit einem einzigen raschen Blicke die Geheimnisse meiner Seele lesen wollte Sie sind eigensinnig und ärgerlich Ah es geschieht mir recht Ich habe meine Frage in etwas unverschämter Form gestellt Verzeihung Ein für alle Mal Fräulein Eyre ich möchte Sie nicht gern wie eine Untergebene behandeln Das heißt eine gewisse Ueberlegenheit nehme ich ja für mich in Anspruch denn erstens bin ich so alt daß ich Ihr Vater sein könnte und zweitens habe ich ganz andere Erfahrung von Welt und Menschen Und auf Grund dieser Ueberlegenheit glaubte ich den Wunsch äußern zu dürfen Sie möchten mich heute Abend ein wenig unterhalten und zerstreuen Er hatte mich einer Erklärung fast einer Entschuldigung gewürdigt Das war von ihm aus gewiß schon sehr viel Doch ich ließ mir nicht merken daß ich seine Worte in diesem Sinne auffaßte Ich will Sie sehr gern unterhalten Herr Rochester sprach ich Aber ich weiß ja gar nicht was Sie interessiert Stellen Sie Fragen und ich will antworten so gut ich es vermag Also zuvörderst geben Sie zu daß ich das Recht habe ein wenig herrisch und launenhaft ja auch etwas rechthaberisch zu sein weil ich das reifere Alter und die größere Erfahrung für mich habe Ich glaube nicht daß Sie dieses Recht haben bloß weil Sie älter sind oder mehr von der Welt gesehen haben erwiderte ich Der Anspruch auf Ueberlegenheit würde nur davon abhängen welchen Gebrauch Sie von Ihrer Zeit und Ihren Erfahrungen gemacht haben Gut gesagt Allein das kann ich nicht zugeben Ich habe nämlich eben davon einen sehr schlechten Gebrauch gemacht Also fort mit der Ueberlegenheit Dennoch müssen Sie einwilligen sich dann und wann von mir befehlen zu lassen ohne sich durch meinen gebieterischen Ton beleidigt zu fühlen Ich lächelte Herr Rochester ist wirklich ein Sonderling dachte ich bei mir Er scheint zu vergessen daß er mir jährlich dreißig Pfund Sterling zahlt und ich dafür doch wohl verpflichtet bin seine Befehle auszuführen Ihr Lächeln ist ganz gut und schön meinte er aber ich wünsche doch daß Sie sprechen Ich dachte bei mir sagte ich sehr wenig Herren würden wohl danach fragen ob die Untergebenen die sie bezahlen sich durch ihre Befehle beleidigt fühlen oder nicht Ach ja doch an das Gehalt hatte ich ja gar nicht gedacht Natürlich Also auf diesen billigen Grund hin gestatten Sie mir manchmal ein wenig anmaßend zu sein Nein Herr Rochester auf den Grund hin nicht aber auf den Grund hin daß Sie es außer acht lassen konnten und sich überhaupt darum kümmern ob eine von Ihnen abhängige Person sich in ihrer Stellung wohl fühlt willige ich herzlich gern darein Und wollen Sie mich auch von einer ganzen Reihe von Höflichkeitsformen und Phrasen freisprechen ohne mich wegen solcher Unterlassung der Nichtachtung zu zeihen Ich werde einen Mangel an Konvention niemals mit Nichtachtung verwechseln