gesagt die Hanne ist ein ganz verstocktes giftiges Ding und furchtbar durchtrieben für ihr Alter Dann wandte sie sich an mich und setzte hinzu Nun denke mal ein bißchen darüber nach daß es dir nicht zukommt dich mit dem jungen Herrn und dem gnädigen Fräulein auf eine Stufe zu stellen und du ins Armenhaus wandern müßtest wenn Frau Reed sich nicht deiner annähme Wenn du noch länger so schlecht und undankbar bist wird dich Frau Reed eines schönen Tages fortschicken Sei also demütig und bescheiden und mache dich nützlich und angenehm Und bete vor allem fügte Abbot bei daß dir deine Unart verziehen werde sonst kommt am Ende ein Gespenst zum Kamin herunter und holt dich Nach diesen Worten gingen sie und schlossen die Tür zu Das rote Zimmer in dem ich mich befand wurde nur benutzt wenn Gäste in Gateshead-Hall weilten dennoch war es eins der schönsten im Herrenhause Die Mitte nahm ein großes Mahagoni Bett ein das mit roten Vorhängen versehen war vom selben Stoffe waren auch die Rouleaus an den Fenstern die Tapeten und der Teppich Die Möbel waren alle aus dunkelpoliertem Mahagoni In dem düstern Ton den diese Gegenstände verbreiteten stachen nur die schneeweiße Decke die über das Bett gebreitet war und das ebenfalls weiße Polster eines großen Lehnstuhls hervor der mir damals wie ein geisterhafter Thron erschien Es war still hier oben denn das Zimmer lag abseits von der Küche und den bewohnten Räumen Mir wurde bald recht unheimlich zumute indem ich daran dachte wie selten diese Stube betreten wurde Nur alle Sonnabend stieg Bessie herauf um Staub zu wischen und hin und wieder weilte Frau Reed hier um den Inhalt einer gewissen Schatulle zu prüfen die ihre Papiere und Urkunden ihren Schmuck und ein Bildnis ihres verstorbenen Gatten enthielt Denn in diesem Zimmer war Herr Reed mein Onkel gestorben Das war nun neun Jahre her Unwillkürlich legte ich mir die Frage vor ob es mir wohl besser erginge wenn dieser Mann noch lebte den ich nie kennen gelernt hatte Ich wußte woher kann ich nicht sagen daß Reed der einzige Bruder meiner Mutter auf dem Sterbebette seiner Frau das Versprechen abgenommen hatte für mich zu sorgen wie für ihre eigenen Kinder Ich wußte auch er hatte mich als ganz kleines Kindchen in sein Haus aufgenommen als seine Schwester meine Mutter gestorben war Sie hatte gegen den Willen ihrer Eltern einen armen Prediger geheiratet und war von ihrem Vater verstoßen von ihrem Bruder aber heimlich unterstützt worden Mein Vater starb bald nach der Eheschließung und meine Mutter folgte ihm binnen Jahresfrist An das alles mußte ich nun denken und ich fragte mich ob wirklich Frau Reed meine Tante das ihrem Gatten gegebene Versprechen hielte Weshalb durfte Hans sich alles gegen mich erlauben weshalb durften seine Schwestern mich mit vornehmer Gleichgültigkeit behandeln weshalb hegte Frau Reed selbst eine so große Abneigung gegen mich Nichts konnte ich recht machen beim geringsten Versehen wurde ich mit Schmähungen überhäuft Elisa konnte eigensinnig und selbstsüchtig Georgina trotzig und launenhaft sein