sagst zur heiligen Jungfrau gegangen ist bei wem bist Du dann gewesen Bei Madame Frederic und ihrem Manne sie sorgte für mich allein sie ist nicht mit mir verwandt Ich glaube sie ist arm denn sie hatte kein so schönes Haus wie Mama Ich war nicht lange dort Herr Rochester fragte mich ob ich mit ihm nach England gehen und dort bei ihm bleiben wolle und ich sagte ja denn ich kannte Herrn Rochester vor Madame Frederic und er war immer freundlich und gütig gegen mich und gab mir schöne Kleider und Spielsachen aber Sie sehen er hat nicht Wort gehalten denn er hat mich nach England gebracht und ist nun selbst fortgegagen und ich sehe ihn nie Nach dem Frühstück zog ich mich mit Adelen in das Bibliothekzimmer zurück das Herr Rochester wie es scheint als Unterrichtszimmer angewiesen hatte Die meisten Bücher waren hinter Glasthüren verschlossen nur ein Bücherschrank war offen gelassen worden und derselbe enthielt so viele Elementarbücher als voraus sichtlich nöthig waren sowie verschiedene Bände aus der sogenannten leichten Literatur Gedichte Lebensbeschreibungen Reisewerke Romane u s w Wahrscheinlich hatte er geglaubt eine Erzieherin würde zu ihrer Privatlectüre nicht mehr brauchen und in der That war dieß für jetzt mir genug im Vergleich mit der spärlichen Ausbeute die mir von Zeit zu Zeit zu Lowood zu machen vergönnt war schienen sie mir eine überreiche Masse von Belehrung und Unterholung darzu bieten Auch befand sich in diesem Zimmer ein Pianosorte das ganz neu war und einen vortrefflichen Ton hatte ebenso auch eine Malerstaffelei und ein Globus Ich fand meine Schülerin ziemlich gelehrig obgleich wenig zum Fleiße geneigt sie war an keine regelmäßigs Beschäftigung irgend welcher Art gewöhnt worben Ich hielt es nicht für gerathen sie gleich anfangs zu sehr mit Lernen in Anspruch zu nehmen daher gab ich ihr nachdem ich viel mit ihr gesprochen und sie ein wenig hatte lernen lassen gegen zwölf Uhr die Erlaubniß wieder zu ihrer Bonne zu gehen Dann nahm ich mir vor mich bis zur Mittagszeit mit Anfertigung einiger kleinen Skizzen zu ihrem Gebrauche zu beschäftigen Gerade als ich die Treppe hinaufging um meine Mappe und Bleistifte zu holen rief Mistreß Fairfax mir zut »Ihre Schulstunden sind für diesen Morgen wohl vorüber Sie war in einem Zimmer dessen Flügelthüren offen standen ich ging hinein als sie mich anredete Es war ein großes stattliches Zimmer mit purpurfarbenen Stühlen und Vorhängen einem türkischen Teppich Wänden die mit Wallnußholz getäfelt waren einem großen Fenster von gemaltem Glase und einer hohen Decke die mit prächtigen Gipszierathen versehen war Mitreß Fairfax stäubte einige Vasen von schönem purpurfarbenem Marienglase die auf einem Nebentische standen ab Welch prachtvolles Zimmer rief ich aus als ich mich umsah denn noch nie hatte ich ein Gemach gesehen das auch nur halb so imposant gewesen wäre Ja das ist das Speisezimmer Ich habe bloß das Fenster aufgemacht um ein wenig Luft und Sonnenschein hereinzulasen denn Alles wird so feucht in Zimmern die selten bewohnt sind im Gesellschaftszimmer dort ist es wie in einem Gewölbe