ihm dieselbe mittheilte indessen schrieb er mir ein halbes Jahr darauf ohne jedoch Herrn Rochesters Namen zu erwähnen oder auf meine Heirath anzuspielen Sein Brief war ruhig und dabei obgleich sehr ernst freundlich Seit jener Zeit haben wir regelmäßig wenn auch nicht sehr häufig Briefe miteinander gewechselt er hofft daß ich glücklich und nicht von Denen sei die in der Welt ohne Gott leben und ihren Sinn nur auf Irdisches richten Du hast wohl die kleine Adele nicht ganz vergessen liebe Leser Ich wenigstens hatte sie nicht vergessen bald erbat ich mir und erhielt von Herrn Rochester die Erlaubniß sie in der Schule in die er sie gebracht besuchen zu dürfen Ihre unmäßige Freude als sie mich wieder sah rührte mich sehr Sie sah bleich und mager aus und sagte sie sei nicht glücklich Ich fand die Regeln der Schule zu strenge die dort betriebenen Studien zu anstrengend für ein Kind von ihrem Alter und so nahm ich sie denn mit Ich hatte im Sinne noch einmal ihre Erzieherin zu werden aber fand bald daß dieß unausführbar sei meine Zeit und meine Aufmerksamkeit wurden jetzt von einem Andern in Anspruch genommen — mein Gatte hatte sie ganz und gar nöthig Ich suchte daher eine andere Schule deren System minder streng war and in solcher Nähe daß ich sie oft besuchen und bisweilen mit nach Hause nehmen konnte Ich ließ es mir angelegen sein sie stets mit Allem zu versehen was zu ihrem Wohlsein beitragen konnte Bald gewöhnte sie sich an ihren neuen Aufenthaltsort wurde dort sehr glücklich und machte im Lernen schöne Fortschritte Während sie heranwuchs verbesserte eine gesunde englische Erziehung größtentheils ihre französischen Fehler und als sie die Schule verließ fand ich an ihr eine angenehme und liebe Gefährtin sie war gelehrig gutlaunig und hatte gute Grundsätze Durch ihre dankbare Aufmerksamkeit für mich und die Meinigen hat sie mich schon längst wieder für jede Freundlichkeit und Güte reichlich belohnt die ich ihr erwiesen Meine Erzählung geht ihrem Ende zu nur noch ein Wort über meine Erfahrungen im Ehestand und ein kurzer Blick auf die Schicksale Derjenigens deren Namen hier am Häufigsten vorgekommen und ich bin zu Ende Ich bin jetzt zehn Jahre verheirathet Ich weiß was es heißt ganz für und mit dem zu leben was man auf Erden am Meisten liebt Ich erachte mich unaussprechlich glücklich weil ich meines Gatten Leben in so vollem Maße bin wie er das meinige ist Nie stand eine Frau ihrem Manne näher als ich dem meinigen nie war eine so sehr Bein von seinem Beine und Fleisch von seinem Fleische Ich werde der Gesellschaft meines Edward nie müde und er nie der meinigen so wenig als wir der Pulsation des Herzens müde werden das in unsern getrennten Busen schlägt daher sind wir auch stets beisammen Beisammen sein heißt für uns zugleich so frei wie in der Einsamkeit und so heiter wie in Gesellschaft sein Ich glaube wir sprechen den ganzen Tag mit einander mit einander zu sprechen ist nur ein lebendigeres und