war ich niedergeschlagener als gewöhnlich zu meinen Studien gekommen die Ebbe war veranlaßt worden durch eine getäuschte Hoffnung die ich auf’s Lebhafteste empfand Hannah hatte mir am Morgen gesagt es sei ein Brief für mich angekommen und als ich hinabging fast mit der Gewißheit daß ich endlich die langersehnte Nachricht erhalten würde fand ich nur einen unwichtigen Brief von Herrn Briggs wegen Geschäftssachen Die bittere Enttäuschung hatte mir einige Thränen ausgepreßt und nun als ich da saß und über den wunderlichen Schriftzügen und den blühenden Tropen eines indischen Schriftstellers brütete füllten meine Augen sich abermals St John rief mich zu sich hin um zu lesen als ich dieß zu thun versuchte versagte mir die Stimme die Worte gingen in Schluchzen auf Ich war mit ihm allein im Zimmer Diana übte ein Musikstück im Gesellschaftszimmer ein Mary gärtelte es war ein sehr schöner Maitag hell sonnig und kühl durch einen sanften Wind St John drückte bei dieser meiner Gemüthsbewegung keine Ueberraschung aus auch fragte er mich nicht nach der Ursache derselben sondern sagte bloß Wir wollen einige Minuten warten Jane bis Sie gefaßter sind.’ Und während ich den Paroxismus so geschwind es mir möglich war unterdrückte saß er ruhig und geduldig da sich über seinen Pult neigend und aussehend wie ein Arzt der mit dem Auge der Wissenschaft eine erwartete und gehörig gewürdigte Krisis bei der Krankheit eines Patienten beobachtet Nachdem ich mein Schluchzen unterdrückt meine Augen getrocknet und Etwas darüber gemurmelt hatte daß es mir an diesem Morgen nicht ganz wohl wäre machte ich mich wieder an meine Aufgabe und kam damit auch gut zu Ende St John legte meine und seine Bücher auf die Seite verschloß sein Pult und sagte Nun Jane sollen Sie einen Spaziergang machen und zwar mit mir.’ Ich will Diana und Mary rufen.’ Nein Diesen Morgen brauche ich nur Eine Begleitung und diese sollen Sie sein ziehen Sie sich an gehen Sie zur Küchenthür hinaus schlagen Sie den Weg ein der nach Marsh-Glen hinaufführt in einem Augenblicke bin ich bei Ihnen.’ Ich kenne keinen Mittelweg nie in meinem Leben habe ich einen Mittelweg gekannt zwischen absoluter Unterwerfung und entschiedener Empörung sobald ich es mit festen unbeugsamen Charakteren zu thun hatte die dem meinigen widerstrebten Ich habe immer genau beobachtet wie die eine dem Ausbruche schon ganz nahe bisweilen mit vulkanischer Heftigkeit in die andere überging und da weder die damaligen Umstände eine Empörung nöthig noch meine Stimmung mich dazu geneigt machte so gehorchte ich den Weisungen St John 's ohne Weiteres und zehn Minuten darauf ging ich an seiner Seite auf dem wilden Pfade der durch die Schlucht hinführte Es kam ein sanfter Wind von Westen über die Hügel her und führte die lieblichen Düfte des Heidekrauts und der Binsen mit sich der Himmel war fleckenlos blau der die Schlucht herabstürzende von früheren Frühlingsregen angeschwollene Bach floß voll und klar dahin und nahm von des Sonne goldene Schimmer und von dem Firmament saphirne Tinten an Als wir weiter kamen und den Fußpfad verließen betraten wir