das babel’sche Sprachgewirre Die Oberlehrerinnen nahmen nun wie der pünktlich ihre Plätze ein aber doch schien Alles auf Etwas zu warten Die 80 Mädchen saßen bewegungslos und aufrecht auf den Bänken den Saal entlang auf dessen beiden Seiten und fürwahr sie gewährten einen seltsamen Anblick mit ihren glatt aus dem Gesichte gekämmten Haaren woran auch nicht eine Spur von einer Locke zu sehen war mit ihren braunen Kleidern die hoch hinauf gingen und oben mit einem schmalen Halsstreifen versehen waren mit ihren leinenen Täschchen nicht unähnlich den Geldbeuteln der Hochländer die vorn an ihre Röcke gebunden waren und als Arbeitsbeutel dienten Noch muß ich bemerken daß alle wollene Strümpfe trugen und Schuhe nach Art der Landbewohner und diese Fußbekleidung war mit messingenen Schnallen befestigt Ueber zwanzig diese Costüme tragende Mädchen waren völlig ausgewachsen es stand ihnen schlecht und gab sogar den Hübschesten ein wunderliches Aussehen Noch sah ich sie an und warf auch von Zeit zu Zeit einen prüfenden Blick auf die Lehrerinnen — wovon mir eigentlich keine gefiel denn die wohlbeleibte war etwas gemein die dunkle nicht wenig heftig die fremde strenge und grotesk und Miß Miller das arme Ding sah purpurroth und von zu vieler Arbeit angegriffen aus — als wie mein Auge so von Gesicht zu Gesicht schweifte die ganze Schule mit Einem Male aufstand wie durch eine Springfeder aufgeschnellt Was gab es Ich hatte keinen Befehl geben hören ich wußte nicht was ich denken sollte Bevor ich noch meine Gedanken gesammelt hatte saßen die Klassen schon wieder da aber alle Augen sich auf Einen Punkt hinrichteten so folgte das meinige der allgemeinen Richtung und fiel auf die Person die mich den Abend zuvor empfangen hatte Sie stand unten in dem langen Zimmer am Kamine denn an jedem Ende war ein Feuer sie überschaute die zwei Mädchenreihen stillschweigend und ernst Miß Miller die sich ihr näherte schien sie Etwas zu fragen nachdem sie eine Antwort erhalten ging sie auf ihren Platz zurück und rief laut Aufseherin der ersten Klasse holen Sie den Globus ’ Während dieser Befehl ausgeführt wurde bewegte die um Rath gefragte Dame sich langsam das Zimmer hinauf Ich muß wohl ein bedeutendes Organ der Verehrung haben denn noch ist aus meinem Sinne nicht die bewundernde Ehrfurcht geschwunden womit meine Augen ihren Schritten folgten Jetzt bei hellem Tage gesehen erschien sie groß weiß und stattlich braune Augen mit einem wohlwollenden Lichte und schöne pinselartige lange Wimpern hoben die Weiße ihrer hohen Stirne noch hervor an jedem ihrer Schläfe war ihr dunkelbraunes Haar nach der Mode jener Zeit wo man weder glatte Bandeaux noch lange Ringeln trug in runde Locken gesammelt ihr Anzug ebenfalls nach der damaligen Mode war aus purpurrothem Tuche und wurde durch eine Art spanischen Besatzes von schwarzem Sammt hervorgehoben eine goldene Uhr — Uhren waren damals nichts so Gewöhnliches wie jetzt — glänzte an ihrem Gürtel Um das Gemälde zu vervollständigen möge der Leser sich seine Züge hinzudenken einen Teint der wenn auch blaß doch klar war sowie eine stattliche Miene und