falsch deuten könnte Aber die Freude verdrängte bald jedes andere Gefühl und wie laut auch der Wind blies wie nahe und heftig auch das Krachen und Rollen des Donners war wie wild und wie oft auch die Blitze zuckten wie gewaltig wie wasserfallähnlich auch der Regen während eines Gewitters herabströmte das nicht weniger als zwei Stunden dauerte so blieb mir doch die Furcht die Angst fern Herr Rochester kam während des Gewitters drei Mal an meine Thüre um zu fragen ob mir Nichts geschehen ob ich ruhig sei und mehr brauchte ich nicht um mich für alle Fälle getröstet und gestärkt zu finden Ehe ich am darauf folgenden Morgen das Bett verließ kam die kleine Adele in mein Zimmer hereingelaufen mit der Nachricht daß der große wilde Kastanienbaum am Ende des Obstgarterns in der Nacht vom Blitze getroffen und die eine Hälfte desselben abgespalten sei Vierundzwanzigstes Kapitel Als ich aufstand und mich ankleidete dachte ich über das Geschehene nach es däuchte mir Alles nur ein Traum zu sein Ich konnte mir von dem Geschehenen so lange keine Gewißheit verschaffen als ich Herrn Rochester nicht wieder gesehen und als ich ihn seine Worte der Liebe und seine Gelübde nicht erneuern gehört Während ich mein Haar machte betrachtete ich im Spiegel mein Gesicht und fühlte daß es nicht mehr so schlicht sei es lag Hoffnung in seinen Ausdrücken und Leben in seiner Farbe meine Augen sahen aus als hätten sie die Quelle des Genusses geschaut und von dem glänzenden Geriesel Strahlen geborgt Ich hatte oft meinen Herrn nicht anblicken mögen weil ich fürchtete es möchte ihm mein Aussehen nicht gefallen nun aber hielt ich es für ausgemacht daß ich mein Angesicht zu dem seinigen erheben dürfe ohne eine Abkühlung seiner zärtlichen Liebe durch den Ausdruck desselben befürchten zu müssen Ich nahm ein einfaches aber reines und leichtes Sommerkleid aus meinem Schranke und zog es an es schien mir als habe mir noch nie ein Kleid so gut gestanden und dieß kam daher weil ich mich noch nie in einer so wonnevollen Stimmung befunden hatte Ich war nicht überrascht als ich nachdem ich die Vorhalle hinuntergelaufen sah daß ein glänzender Junimorgen auf das Gewitter der Nacht gefolgt war und ich durch die offene Glasthüre hindurch das Athmen eines frischen und wohlduftenden Windes verspürte Es mußte doch da ich so glücklich war auch die Natur froh und heiter sein Eine Bettlerin und ihr kleiner Knabe beide bleich und zerlumpt kamen den Weg herauf und ich lief hinab um ihnen alles Geld das ich gerade in meiner Börse hatte drei oder vier Shillinge zu geben gut oder schlecht mußten sie an meiner Fröhlichkeit Theil nehmen Die Dohlen krächzten und lustigere Vögel sangen Nichts aber war so heiter und wohltönend wie mein eigenes frohlockendes Herz Mistreß Fairfax überraschte mich indem sie mit trauriger Miene aus dem Fenster sah und mit ernster Stimme sagte — Miß Eyre wollen Sie zum Frühstück kommen ’ Während des Essens war sie ruhig und kalt aber ich konnte sie jetzt nicht