Vorhang fiel hinter ihnen Es waren ihrer bloß acht indessen erschienen sie mir ich weiß nicht wie es geschah weit zahlreicher als sie aus dem Speisesaal hereintraten Einige von ihnen waren sehr groß viele waren weißgekleidet und alle schienen durch ihre vollen Gewänder noch größer geworden zu sein wie der Nebel den Mond größer erscheinen läßt Ich erhob mich und verneigte mich gegen sie eine oder zwei nickten mir wieder zu die übrigen starrten mich bloß an Bald zerstreuten sie sich im Zimmer und die Leichtigkeit und der Schwung ihrer Bewegungen erinnerte mich an eine Schaar weißgefiederter Vögel Einige von ihnen warfen sich auf die Sophas und Ottomanen in halbliegender Stellung andere neigten sich über die Tische und prüften die Blumen und Bücher die übrigen bildeten eine Gruppe ums Feuer herum alle sprachen in einem leisen aber hellen Tone der ihnen zur Gewohnheit geworden zu sein schien Ich erfuhr erst später ihre Namen kann sie aber hier jetzt gleich nennen Erstlich war Mistreß Eshton da mit ihren zwei Töchtern Augenscheinlich war sie ein schönes Frauenzimmer gewesen und hatte sich noch gut erhalten Die ältere ihrer zwei Töchter Amy war etwas klein naiv und kindlich von Gesicht und Benehmen von Gestalt pikant ihr weißmusselinenes Kleid und ihr blauer Gürtel standen ihr gut Die zweite Louisa war größer und von zierlicher Gestalt mit einem sehr hübschen Gesicht von jener Art welche die Franzosen minois chifonné’ nennen Beide Schwestern hatten eine lilienweiße Haut Lady Lynn war eine starke und wohlbeleibte Person wohl an die vierzig sehr gerade sehr stolz aussehend mit einem prächtigen changirenden seidenen Kleide ihr dunkles Haar erglänzte unter dem Schatten einer azurfarbigen Feder und innerhalb des von einer Schnur prächtiger Edelsteine gebildeten Ringes Die Frau Oberst Dent hatte ein weniger glänzendes Aussehen doch kam sie mir als eine Dame von feinerem Anstande vor Sie hatte eine schlanke Gestalt ein blasses sanftes Gesicht und blondes Haar Ihr schwarzes Atlaßkleid ihre Schärpe aus prächtigen fremden Spitzen und ihr Perlenschmuck gefiel mir besser als das regenbogenfarbige Gefunkel der betitelten Dame Die drei ausgezeichnetsten aber vielleicht zum Theil deßhalb die ausgezeichnetsten weil sie durch ihren hohen Wuchs die übrigen übertrafen waren die verwittwete Lady Ingram und ihre beiden Töchter Blanche und Mary Sie waren alle drei von der erhabensten weiblichen Statur Lady Ingram mochte zwischen vierzig und fünfzig sein ihre Gestalt war noch schön ihr Haar wenigstens bei Kerzenlicht noch schwarz und auch ihre Zähne waren dem Anschein nach noch vollkommen Die meisten Leute hätten sie wohl für eine für ihr Alter superbe Frau erklärt und das zwar sie auch ohne Zweifel in physischer Hinsicht aber es lag nebenbei in ihrer Haltung und in ihrem Gesichte ein Ausdruck fast unerträglichen Stolzes Sie hatte römische Züge und ein doppeltes Kinn das in einen Hals gleich einer Säule überging diese Züge schienen mir von Stolz nicht blos aufgeblasen und verdunkelt sondern sogar gefurcht und nach demselben Grundsatze wurde das Kinn so aufrecht getragen daß die Stellung fast eine Art unnatürliche wurde Sie hatte gleichfalls ein strenges