Armuth bekundeten Aber warum verweigerte man uns eine hinreichende Nahrung Warum dieser Mangel jeder Sorgfalt der so weit ging daß wir zuweilen kaum im Stande waren die Speisen zu genießen welche uns mit übertriebener Sparsamkeit zugemessen wurden Warum ließ man uns im Winter in großen Sälen frieren wo erst mit hereinbrechender Dunkelheit ein Feuer angezündet wurde dessen spärliches Licht das Erscheinen der Lampe verzögerte Warum namentlich diese Geringschätzung des Lebens die sich in dem Mangel der einfachsten Schutzmittel gegen die Feuchtigkeit des Klima 's äußerte das jedes Jahr unsere gedrängten Reihen lichtete In einer für das Auge reizenden Gegend in der Mitte eines prächtigen Waldes gelegen sog Lowood von allen Seiten die morastigen Ausdünstungen ein welche den großen Wäldern in bergigen Gegenden entströmen Im Winter machte der Frost unser Waisenasyl weniger ungesund Aber mit den ersten schönen Tagen drangen die Fieber und der Typhus hinter seine hohen Mauern und verwandelten das mit kräftigen und gesunden Kindern bevölkerte Haus in ein großes Hospital Diese Krankheiten fanden uns schon geschwächt durch eine fortdauernde halbe Hungerkur und durch Erkältungen gegen welche man nie die geringsten Heilmittel anwendete und die Jahreszeit der Blumen war für uns die Zeit der Cypressen Diese lieblichen und zugleich verderblichen Maimonate sind mir treu im Gedächtniß geblieben Von achtzig Mädchen die wir im Ganzen waren habe ich bis fünfzig auf einmal krank liegen sehen Dann lockerten sich natürlich alle Bande der Disciplin denn die Lehrerinnen mußten den Dienst von Krankenwärterinnen verrichten und hatten daher nicht mehr Zeit uns die täglichen Unterrichtsstunden zu geben Ueberdies verordneten die Aerzte eine fast beständige Bewegung als das beste Präservativmittel gegen die Ansteckung Man überließ daher den Schülerinnen welche von der Krankheit verschont blieben den Garten und ich habe darin mehr als einmal den ganzen Tag unter den Blumen zugebracht indem ich wieder und immer wieder den einzigen Roman las welcher in diesem frommen Hause gestattet war Rasselas liebe Freundin ja “Rasselas Prinz von Abyssinien” Dies Alles führt mich auf Helena Burns das sanfteste und anziehendste Wesen das mir zu sehen und zu lieben vergönnt worden ist Sie war es die mir Rasselas wenige Tage nach meiner Ankunft in Lowood lieh Sie war es ferner die mir erklärte was ich noch nicht wußte daß man in dieser sogenannten Armenschule gleichwohl fünfzehn Pfund Sterling für jede Schülerin bezahlte und daß nur das Fehlende durch freiwillige Beiträge aufgebracht wurde Ueberhaupt verdankte ich ihr meine richtigsten Ansichten über die Anstalt selbst und über die Art und Weise wie ich mir meine Lage darin vorstellen mußte Helene war kaum dreizehn Jahre alt aber eine langjährige Gewohnheit des Unglücks hatte ihr Urtheil gereift und ihren Verstand ausgebildet Auch legte sie eine gewisse frühreife Klugheit an den Tag welche natürlich mehrere von den Personen die unsere Erziehung leiteten gegen sie einnahm Darin hatten auch die häufigen Ungerechtigkeiten und Kränkungen ihren Grund welche Helene immer stillschweigend ertrug selbst wenn sie mit einem einzigen Worte den blinden und gehässigen Tadel hätte entkräften können mit dem man sie ohne Ursache verfolgte Ich konnte