richtete sie ihren gewöhnlichen Morgengruß an mich nahm dann ihre Nähnadel und ihren Fingerhut wieder und ließ sich nicht weiter in ihrer Arbeit stören Als ich mich von meinem ersten Erstaunen nicht aber von meiner inner Entrüstung erholt hatte nahm ich mir vor diese empörende Gleichgiltigkeit auf die Probe zu stellen ‘Guten Morgen Grace ’ sagte ich zu ihr ‘was ist denn diese Nacht hier vorgefallen ’ ‘Nicht viel Miß der Herr hat im Bett gelesen und ist eingeschlafen ohne das Licht auszulöschen Die Vorhänge haben Feuer gefangen aber er ist noch zur rechten Zeit erwacht und hat es mit dem im Waschbecken befindlichen Wasser gelöscht.’ ‘Eine sonderbare Geschichte ’ sagte ich halblaut indem ich näher zu ihr trat und sie fest anblickte ‘Hat denn Mr Rochester Niemanden geweckt und hat Niemand Geräusch in seinem Zimmer gehört ’ Sie erhob von Neuem die Augen zu mir und diesmal mit einem Ausdrucke als suche sie meine Gedanken zu erforschen ‘Die Dienerschaft schläft sehr weit entfernt von hier wie Sie wissen ’ erwiderte sie dann ‘Mistreß Fairfax deren Zimmer an dieses stößt hat einen sehr festen Schlaf und hört etwas schwer Aber wie kommt es Miß daß Sie nichts gehört haben Sie sind jung und ich möchte wetten Sie schlafen nur mit Einem Auge.’ ‘Ich habe nichts gehört ’ antwortete ich noch leiser ‘als ein Gelächter wie es wenige giebt.’ Grace fädelte von Neuem mit der größten Kaltblütigkeit ihre Nadel ein und versetzte dann im ruhigsten Tone ‘Es ist nicht wahrscheinlich daß der Herr gelacht hat während der in einer solchen Gefahr schwebte Sie haben ohne Zweifel geträumt Miß.’ ‘Nein ich habe nicht geträumt ’ erwiderte ich indem ich einen Nachdruck auf diese Worte legte denn ich fühlte mich durch die höhnische Kälte welche dieses Geschöpf meinen Fragen entgegensetzte gleichsam herausgefordert Sie blickte mich abermals forschend an und fragte mich ‘Haben Sie dem Herrn nicht gesagt daß Sie Jemanden lachen hörten ’ Ich habe diesen Morgen noch keine Gelegenheit gehabt mit ihm zu sprechen.’ ‘Und Sie haben nicht daran gedacht Ihre Thür zu öffnen um nachzusehen was im Gange geschah ’ Sie wollte mich offenbar ausforschen Es kam mir der Gedanke bei daß sie wenn ich ahnte daß ich wußte woran ich war mir vielleicht auch irgend einen bösen Streich spielen könnte ich lenkte daher ein ‘Im Gegentheil ’ erwiderte ich auf ihre letzte Frage ‘ich verriegelte meine Thür.’ ‘Sie thun dies also nicht jeden Abend ehe Sie zu Bett gehen ’ ‘Schändliches Weib ’ dachte ich ‘sie zieht Erkundigungen ein um sich ein andermal darnach zu richten.’ Ich unterdrückte indeß meinen Zorn und begnügte mich damit ihr zu versichern daß wenn ich bis jetzt nicht vorsichtig genug gewesen sei ich es in Zukunft um so mehr sein würde ‘Daran werden Sie sehr wohl thun ’ war ihre ganze Antwort Inzwischen schlug die Frühstücksstunde und der Küchenmeister brachte Grace auf einem Theebrett wie gewöhnlich ihren Krug Porter und ihr Stück Pudding ‘Wünschen Sie noch etwas Mistreß Poole ’ sagte er dann ‘Allerdings