pflegte ich französisch zu sprechen und zuweilen richtete ich auch Fragen über ihr Vaterland an sie sie besaß aber weder die Gabe erzählen noch beschreiben zu können und gab meistens so verwirrte und nichtssagende Antworten daß sie meine Fragelust eher dämpften als ermutigten Oktober November und Dezember gingen hin Eines Nachmittags im Januar hatte Mrs Fairfax um einen Ferientag für Adele gebeten weil diese sich eine heftige Erkältung zugezogen hatte und da Adele diese Bitte mit einer Innigkeit und Eindringlichkeit unterstützte welche mich daran erinnerten wie kostbar solch ein gelegentlicher Ferialtag mir selbst in meiner Kindheit gewesen gewährte ich denselben es schien mir geraten in diesem Punkte Nachgiebigkeit zu zeigen Obgleich sehr kalt war es ein schöner windstiller Tag den ganzen Morgen hatte ich ruhig sitzend in der Bibliothek zugebracht jetzt war ich dessen müde Mrs Fairfax hatte gerade einen Brief beendigt welcher darauf harrte zur Post getragen zu werden und so nahm ich Hut und Mantel und erbot mich freiwillig denselben auf das Postamt nach Hay zu bringen die Entfernung welche ungefähr zwei Meilen betrug sollte ein angenehmer Nachmittagsspaziergang für mich sein Nachdem ich Adele gemütlich in ihrem kleinen Lehnstuhl vor Mrs Fairfax Kaminfeuer installiert und ihr die schönste Wachspuppe welche ich gewöhnlich in Silberpapier gewickelt in einer Schublade verwahrt hielt zum Spielen gegeben hatte und dazu noch ein Geschichtenbuch der Abwechselung wegen machte ich mich auf den Weg nachdem ich Adelens ›Revenez bientôt ma bonne amie ma chère Mademoiselle Jeanette« Fußnote noch mit einem herzlichen Kuß beantwortet hatte Der Boden war hart gefroren die Luft war still meine Straße einsam ich ging sehr schnell bis ich mich erwärmt hatte dann ging ich langsam um das Vergnügen welches Zeit und Umstände für mich in sich bargen zu genießen und zu analysieren Es war drei Uhr die Kirchenuhr schlug als ich an dem Glockenturm vorüber ging der Reiz der Stunde lag in der herannahenden Dämmerung in der niedersinkenden und mattstrahlenden Sonne Ich war eine Meile von Thornfield entfernt in einem engen Heckenwege welcher im Sommer seiner wilden Rosen im Herbst seiner Nüsse und Brombeeren wegen bekannt war und sogar jetzt noch einige korallenfarbige Schätze in Gestalt von Hagebutten und Mehlbeeren aufzuweisen hatte seine herrlichste Winterfreude lag jedoch in seiner vollständigen Vereinsamung und laublosen starren Ruhe Selbst wenn ein Lüftchen wehte weckte es hier keinen Laut denn hier war kein Stechpalmengesträuch kein Immergrün welches hätte rauschen können und die entblätterten Weißdorn und Haselnußbüsche lagen ebenso still da wie die weißen ausgetretenen Steine mit welchen der Fußpfad in der Mitte gepflastert war Weit und breit lagen zu jeder Seite nur Felder auf denen jetzt kein Vieh mehr weidete und die kleinen braunen Vögel welche sich dann und wann in der Hecke rührten sahen aus wie einzelne welke Blätter die vergessen hatten abzufallen Dieser Weg zog sich hügelaufwärts nach Hay als ich die Mitte erreicht hatte setzte ich mich an einem Zaun nieder welcher sich von dort quer über ein Feld zog Ich hüllte mich dicht in meinen Mantel verbarg die Hände in