gezwungen war einfach zu sein – ich hatte kein einziges Kleidungsstück welches nicht in der einfachsten Weise gemacht wäre – so hatte ich doch von Natur das größte Verlangen sauber und nett auszusehen Es war durchaus nicht meine Gewohnheit achtlos in Bezug auf mein Äußeres oder unbekümmert um den Eindruck zu sein welchen ich hervorbrachte – im Gegenteil ich wünschte stets so hübsch wie möglich zu sein und so sehr zu gefallen wie mein gänzlicher Mangel an Schönheit es gestattete Wie oft bedauerte ich nicht hübscher zu sein Wie innig wünschte ich rosige Wangen eine gerade Nase und einen kleinen Kirschenmund zu besitzen ich hätte schlank und stattlich von imposanter Figur sein mögen ich empfand es wie ein Unglück so klein und bleich zu sein so unregelmäßige markierte Züge zu haben Aber weshalb hatte ich diese Wünsche dies Verlangen Dieses Bedauern Das wäre schwierig gewesen zu sagen Damals hätte ich selbst mir keine klare Rechenschaft darüber geben können Indessen hatte ich einen Grund und einen logischen natürlichen noch dazu – Als ich jedoch mein Haar sehr sorgsam gekämmt und mein schwarzes Kleid angezogen hatte welches trotz seiner Quäkerhaftigkeit das Verdienst hatte aufs genauste zu passen – als ich eine reine weiße Halskrause umgebunden glaubte ich sauber und respektabel genug auszusehen um vor Mrs Fairfax erscheinen zu können Von meiner Schülerin hoffte ich daß sie wenigstens nicht mit Widerwillen vor mir zurückschrecken werde Nachdem ich das Fenster geöffnet und gesehen hatte daß ich auf dem Toiletttische alles sauber und ordentlich zurückließ wagte ich mich hinaus Nachdem ich die lange mit Teppichen bedeckte Galerie entlang gegangen war stieg ich die glänzend blanke Eichentreppe hinunter dann kam ich in die Halle hier stand ich eine Minute still ich betrachtete einige Kupferstiche an den Wänden – noch heute erinnere ich mich derselben das eine stellte einen finster aussehenden Mann in einem Küraß dar das andere eine Dame mit gepuderten Haaren und einem Perlhalsband – eine Bronzelampe welche von der Decke herabhing eine große alte Wanduhr deren Gehäuse aus Eichenholz seltsam geschnitzt und durch die Zeit schwarz und blank wie Ebenholz geworden war Alles erschien mir sehr stattlich und imposant – aber ich war ja auch so wenig an Glanz und Pracht gewöhnt Die Thür der Halle welche halb aus Glas war stand offen ich überschritt die Schwelle Es war ein herrlicher Herbstmorgen die Sonne schien klar auf herbstlich gefärbtes Laub und noch immer frische Felder herab ich ging auf den freien Platz hinaus und betrachtete die Front des Herrenhauses Es war drei Stockwerke hoch von großen obgleich nicht überwältigenden Proportionen der Herrensitz eines Gentleman nicht die feste Burg eines Edelmannes Zinnen auf dem Dache gaben dem Hause ein pittoreskes Aussehen Die graue Front hob sich hübsch von dem Hintergrunde eines Krähengenistes dessen krächzende Bewohner jetzt flügge waren sie flogen über den Grasplatz und den Park um sich auf einer großen Weide niederzulassen von welcher erstere durch einen eingesunkenen Zaun getrennt waren auf dieser Wiese stand eine lange Reihe alter starker knorriger Dornenbäume mächtig wie