Muße zum Nachdenken Ich war zufrieden dem Endziel meiner Reise so nahe zu sein und als ich mich in das bequeme wenn auch durchaus nicht elegante Gefährt zurücklehnte gab ich mich ungestört meinen Gedanken hin »Nach der Einfachheit und der Anspruchslosigkeit des Dieners und des Wagens zu urteilen ist Mrs Fairfax keine sehr elegante Person um so besser ich habe nur einmal unter feinen Leuten gelebt und bei ihnen habe ich mich sehr unglücklich gefühlt Ich möchte wissen ob sie mit diesem kleinen Mädchen ganz allein lebt Wenn das der Fall und sie auch nur einigermaßen liebenswürdig ist werde ich sehr gut mit ihr fertig werden Ich werde mein Bestes thun Aber wie schade daß es nicht immer genügt sein Bestes zu thun In Lowood allerdings faßte ich diesen Entschluß führte ihn aus und es gelang mir allen zu gefallen aber bei Mrs Reed erinnere ich mich daß selbst mein Bestes immer nur Hohn und Verachtung hervorrief Ich flehe zu Gott daß Mrs Fairfax keine zweite Mrs Reed sein möge Wenn sie es aber ist so brauche ich nicht bei ihr zu bleiben Kommt das Schlimmste zum Schlimmen so kann ich ja immer noch wieder eine Annonce in den Herald rücken lassen – Wie weit wir jetzt wohl schon auf dem Wege sein mögen « Ich ließ das Fenster herab und blickte hinaus Millcote lag hinter uns nach der Anzahl seiner Lichter schien es ein Ort von beträchtlicher Größe viel größer als Lowton So weit ich es überblicken konnte befanden wir uns jetzt auf einer Art Weide aber über den ganzen Distrikt lagen Häuser zerstreut ich fühlte daß wir uns in Regionen befanden welche sehr verschieden von denen Lowoods sie waren bevölkerter aber weniger malerisch sehr belebt aber weniger romantisch Die Straßen waren kotig die Nacht war nebelig mein Kutscher ließ sein Pferd fortwährend im Schritt gehen und ich glaube daß aus den anderthalb Stunden mindestens zwei wurden Endlich wandte er sich um und sagte »Jetzt sind wir nicht mehr weit von Thornfield.« Wieder blickte ich hinaus wir fuhren an einer Kirche vorüber ich sah den niedrigen breiten Turm sich gegen den Himmel abzeichnen seine Glocken verkündeten die Viertelstunde dann sah ich auch eine schmale Reihe von Lichtern auf einer Anhöhe es war ein Dorf oder ein Weiler Nach ungefähr zehn Minuten stieg der Kutscher ab und öffnete eine Pforte wir fuhren hindurch und sie schlug hinter uns zu Jetzt kamen wir langsam über den großen Fahrweg des Parks und fuhren an der langen Front eines Hauses entlang aus einem verhängten Bogenfenster fiel ein Lichtschein alle übrigen waren dunkel Der Wagen hielt vor der Hausthür Eine Dienerin öffnete dieselbe ich stieg aus und ging hinein »Bitte diesen Weg Fräulein « sagte das Mädchen und ich folgte ihr durch eine viereckige Halle in welche von allen Seiten Thüren mündeten Sie führte mich in ein Zimmer dessen doppelte Illumination durch Kerzen und Kaminfeuer mich im ersten Augenblick blendete denn sie kontrastierte zu stark mit der Dunkelheit an welche meine Augen sich während