unserer Heirat blieb Mr Rochester noch blind vielleicht war es gerade dieser Umstand der uns so fest aneinander kettete – der uns so unauflöslich verband Denn ich war damals ein Augenlicht wie ich noch heute seine rechte Hand bin Buchstäblich war ich wie er mich so oft nannte sein Augapfel Er sah die Natur – er sah alle Bücher durch mich und ich wurde niemals müde ihm zu Liebe um mich zu schauen und den Eindruck in Worte zu kleiden welchen die Landschaft vor uns Felder Bäume Stadt Strom Wolken und Sonnenstrahlen Wind und Wetter auf mich machten und durch Laute seinem Ohr das verständlich zu machen was sein Auge nicht mehr in sich aufnehmen konnte Niemals wurde ich es müde ihn hinzuführen wohin er geleitet sein wollte für ihn zu thun was er gethan haben wollte Und diese Dienstleistungen machten mir Freude eine außerordentliche wenn auch traurige Freude – weil er sie ohne quälende Scham ohne bedrückende Demütigung von mir verlangte Er liebte mich so wahr daß er niemals zauderte meine Hilfeleistungen in Anspruch zu nehmen er fühlte daß ich ihn so zärtlich liebte ihm so blind und innig ergeben war daß es mein süßestes Glück war ihm diese Pflege angedeihen zu lassen Am Ende jener zwei Jahre als ich eines Morgens saß und einen Brief nach seinem Diktat schrieb kam er zu mir und beugte sich über mich Nach einigen Augenblicken sagte er “Jane ” trägst du einen blitzenden Schmuck um den Hals ” Ich trug eine goldene Uhrkette deshalb antwortete ich “Ja.” “Und hast du ein mattblaues Kleid an ” Es war der Fall Nun teilte er mir mit daß es ihm schon seit einiger Zeit geschienen als ob die Dunkelheit welche das eine Auge bedeckte weniger dicht und undurchdringlich sei Jetzt wäre er dessen aber gewiß Wir reisten zusammen nach London Er fragte einen hervorragenden Augenarzt um Rat und in der That erlangte er die Sehkraft des einen Auges wieder Auch jetzt vermag er noch nicht ganz deutlich zu sehen er darf weder viel lesen noch schreiben aber er findet den Weg ohne an der Hand geführt zu werden der Himmel ist keine farblose Fläche mehr für ihn die Erde kein leerer Raum Als man ihm seinen Erstgeborenen in die Arme legte konnte er sehen daß der Knabe seine Augen geerbt habe – wie sie einst gewesen –groß glänzend und Schwarz Und bei dieser Gelegenheit anerkannte er noch einmal daß der almächtige Gott inmitten der Strafe Gnade habe walten lassen Edward Rochester und ich sind also glücklich und das umsomehr weil alle jene welche wir lieben ebenfalls glücklich sind Diana und Mary Rivers sind beide verheiratet abwechselnd kommt eine von beiden jedes Jahr um uns zu besuchen und ebenso reisen wir zu ihnen Dianas Gatte ist ein Kapitän von der Marine ein tapferer Offizier und ein guter Mann Marys Gemahl ist ein Geistlicher ein Universitätsfreund ihres Bruders seine Grundsätze und seine Vorzüge machen ihn seiner vortrefflichen Gattin durchaus würdig Sowohl Kapitän Fitzjames wie Mr Wharton lieben