zu wecken Leise schleicht er über das Gras besorgt ein Geräusch zu machen er hält inne – glaubend daß sie eine Bewegung gemacht hat Nicht um eine Welt möchte er von ihr gesehen sein er zieht sich zurück Alles ist still er nähert sich ihr wiederum er beugt sich über sie ein luftiger Schleier ist über sie gebreitet er hebt ihn auf beugt sich tiefer hinab jetzt genießen seine Augen die Vision der Schönheit im voraus – der warmen blühenden lieblichen ruhenden Schönheit Wie flüchtig war ihr erster Blick Aber wie starr sie jetzt sind Wie er zusammenschrickt Wie er jetzt plötzlich und stürmisch die ganze Gestalt die er vor einem kurzen Augenblick nicht mit einem einzigen Finger zu berühren wagte mit beiden Armen umschlingt Wie laut er einen Namen ruft seine Last wieder sinken läßt und sie wild anstarrt So packt und schreit und starrt er weil er nicht länger zu fürchten braucht die Geliebte durch einen Schrei den er ausstößt durch eine Bewegung die er macht zu wecken Er glaubte daß sie ruhig und friedlich schliefe – aber sie ist kalt und tot Mit zitternder Freude hatte ich den Blick auf ein stattliches Haus gerichtet ich sah nur von Rauch geschwärzte Ruinen Es war nicht mehr nötig mich hinter einem Thorpfeiler zusammen zu kauern scheu nach den Fenstern der Schlafzimmer emporzublicken aus Furcht daß es beginnen könne sich hinter denselben zu regen Es war nicht mehr nötig dem Öffnen und Schließen von Thüren zu lauschen – mir einzubilden daß ich menschliche Tritte auf der Terrasse oder den Kieswegen vernähme Der Garten der Park waren niedergetreten und verwüstet das Portal gähnte mir in fürchterlicher Leere entgegen Die Vorderseite des Hauses war so wie ich sie einst im Traum gesehen nur eine hohle Mauer hoch und zerbrechlich aussehend hier und da durch leere Fensterhöhlen unterbrochen Kein Dach keine Zinnen keine Schornsteine – alles war in Trümmer gefallen Und überall herrschte die Ruhe des Todes die Stille einer öden Wildnis Kein Wunder daß auf Briefe welche an Personen hierher gerichtet gewesen niemals eine Antwort gekommen war ebensogut hätte man Episteln nach dem Grabgewölbe einer Kirche senden können Die rauchige Schwärze sagte mir welchem Schicksal das Herrenhaus zum Opfer gefallen – durch Feuersbrunst war es vernichtet Wie aber war diese entstanden Welche Geschichte knüpfte sich an dieses Unglück Welcher Verlust war außer dem von Mörtel und Marmor und Holz noch zu beklagen Waren auch Menschenleben zerstört sowohl wie Eigentum Und wenn – wessen Leben war zu beklagen Furchtbare Frage Hier war niemand der mir hätte Antwort geben können Kein Laut kein stummes Zeichen Als ich zwischen den geborstenen Mauern und dem zerstörten Inneren des Hauses umher wanderte wurde es mir klar daß das unglückselige Ereignis nicht jüngeren Datums sein könne Es schien mir daß durch den hohlen Thorbogen bereits der Schnee eines Winters geweht sei eisiger Winterregen war durch die leeren Fensterhöhlen gedrungen denn zwischen den Trümmerhaufen zerstörten Hausrats schoß schon die Vegetation eines Frühlings empor hier und dort wucherte Gras und