sein der in mir nichts weiter sieht als ein nützliches Werkzeug « »Unerträglich – unnatürlich – vollständig unmöglich « »Und dann « fuhr ich fort »obgleich ich jetzt nur eine schwesterliche Neigung für ihn hege so kann ich mir doch sehr gut die Möglichkeit vorstellen daß ich wenn ich gezwungen würde seine Gattin zu werden mit der Zeit eine unvermeidliche seltsame qualvolle Art von Liebe für ihn empfinden würde Denn er ist so hoch begabt und in seinem Blick seiner Art seiner Unterhaltung seiner Sprechweise liegt oft ein Zug von heldenmütiger Größe In solchem Falle würde mein Los doch ein unsäglich elendes werden Er würde nicht wollen daß ich ihn liebte und wenn ich ihm das Gefühl zeigte würde er mir begreiflich machen daß dies eine Überflüssigkeit sei welche er nicht verlange und die mich nur schlecht kleide Ich weiß daß er so handeln würde.« »Und doch ist St John ein guter Mensch « sagte Diana »Er ist ein guter und ein großer Mann aber ohne Erbarmen vergißt er die Empfindungen und Ansprüche kleinerer Menschen indem er seine eigenen großen Pläne verfolgt Es ist daher für die Unbedeutenden besser ihm aus dem Wege zu gehen damit er sie in seinem rastlosen Vorwärtsstreben nicht zu Boden trete Doch da kommt er Ich verlasse dich Diana.« Und damit eilte ich die Treppe hinauf als ich ihn in den Garten treten sah Beim Abendessen war ich jedoch gezwungen ihm wieder zu begegnen Während dieser Mahlzeit schien er gerade so ruhig wie gewöhnlich Ich hatte geglaubt daß er kaum mit mir sprechen würde und ich war fest überzeugt daß er es aufgegeben seinen Heiratsplan noch weiter zu verfolgen aber die Folge sollte mich lehren daß ich mich in beiden Punkten geirrt hatte Er sprach zu mir ganz in der gewohnten Weise oder doch wenigstens so wie er es in der ganzen letzten Zeit gethan er war peinlich höflich Ohne Zweifel hatte er die Hilfe des heiligen Geistes angefleht um den Ärger zu bekämpfen den ich in ihm erregt hatte und jetzt glaubte ich daß er mir noch einmal vergeben habe Zum Lesen vor dem Abendgebet hatte er das einundzwanzigste Kapitel der Offenbarung gewählt Zu allen Zeiten war es wohlthuend ihm zuzuhören wenn die Worte der Bibel von seinen Lippen kamen niemals klang seine Stimme so süß und voll – niemals machte seine Art und Weise in ihrer edlen Einfachheit einen so tiefen Eindruck als wenn er die Prophezeiungen Gottes verkündete und heute abend nahm diese Stimme einen noch feierlicheren Ton an – seine Bewegungen und Gebärden nahmen eine tiefere Bedeutung an als er so inmitten seines Haushaltes dasaß wahrend der Maimond durch die unverhängten Fenster schien und das Kerzenlicht fast überflüssig machte als er dasaß über die große alte Bibel gebeugt und aus ihren Blättern die Vision des neuen Himmels und der neuen Erde beschrieb – sagte wie Gott kommen würde unter den Menschen zu wohnen wie er alle Thränen von ihren Augen trocknen würde und versprach daß der Tod nicht mehr sein würde