Ich antwortete ihm indem ich ihn einlud mich auf einer Generalinspektionsreise durch das Haus zu begleiten um das Resultat meiner Anstrengungen zu begutachten Mit einiger Mühe gelang es mir ihn zu diesem Rundgang zu überreden Er blickte kaum in die Thüren hinein wenn ich sie öffnete und nachdem er oben und unten gewesen meinte er ich müsse unendlich viel Mühe und Arbeit gehabt haben um in so kurzer Zeit so beträchtliche Veränderungen bewerkstelligt zu haben Aber nicht mit einer einzigen Silbe verriet er daß er an der Verschönerung seines väterlichen Hauses auch nur die geringste Freude empfände Sein Schweigen dämpfte meine Freude Ich glaubte daß die Veränderungen vielleicht einige alte Erinnerungen gestört hätten welche ihm wert und lieb gewesen Ich fragte ob dies der Fall sei Vielleicht in sehr niedergeschlagenem Ton »Durchaus nicht Er bemerke im Gegenteil daß ich mit der größten Gewissenhaftigkeit alles was ihm wert sei geschont habe er fürchte in der That daß ich der Sache mehr Wichtigkeit beigelegt als sie wert sei Wieviel Minuten hätte ich zum Beispiel damit zugebracht über das Arrangement dieses Zimmers nachzudenken – Übrigens könne ich ihm denn nicht sagen wo dies und jenes Buch sei « Ich zeigte ihm den Band auf dem Bücherbrett Er nahm ihn herunter und indem er sich in seine gewöhnliche Fenstervertiefung zurückzog begann er zu lesen Nun mein lieber Leser dies gefiel mir nicht St John war ein guter Mann aber jetzt begann ich zu empfinden daß er die Wahrheit über sich selbst gesprochen als er gesagt daß er hart und kalt sei Das Menschliche und das Angenehme des Lebens hatte keine Anziehungskraft für ihn – seine friedlichen Genüsse keinen Reiz In der That er lebte nur um zu streben – zu streben nach dem was gut und groß war gewiß Aber er kannte keine Ruhe er wollte keine und er billigte es auch nicht wenn die welche um ihn waren ruhten Als ich auf seine hohe Stirn blickte die still und bleich wie ein Leichenstein war – auf seine schönen Züge die durch das Studium fest und strenge geworden – da begriff ich plötzlich daß er niemals ein guter Gatte sein könne daß es eine schwere Aufgabe sein müsse sein Weib zu sein Wie durch eine plötzliche Eingebung verstand ich das Wesen seiner Liebe zu Miß Oliver ich stimmte ihm bei daß es nur eine Liebe der Sinne sein könne Ich begriff wie sehr er sich selbst verachten mußte um des fieberhaften Einflusses willen welchen sie auf ihn ausübte wie er wünschen mußte diese Liebe zu ersticken und zu zerstören wie er daran zweifeln mußte daß sie jemals zu seinem und ihrem dauernden Glücke führen könne Ich sah ein daß er aus dem Stoffe sei aus welchem die Natur ihre Heroen macht – christliche wie heidnische – ihre Gesetzgeber ihre Staatsmänner ihre Eroberer ein festes Bollwerk auf das man in großen Zeiten um großer Interessen willen bauen konnte Aber am häuslichen Herd nur zu oft eine schwere kalte Säule die düster und nicht an ihrem