hoffen zu dürfen Bei diesem Gedanken wandte ich mein Gesicht ab von dem lieblichen Abendhimmel und dem einsamen Thal von Morton ich sage einsam denn auf jenem Teil desselben der meinem Auge sichtbar befand sich nicht ein einziges Gebäude mit Ausnahme der Kirche und des Pfarrhofes und auch diese beiden waren fast gänzlich unter schattigen Bäumen versteckt Weit hinaus am äußersten Ende erblickte man das Dach von Vale-Hall wo der reiche Mr Olliver mit seiner Tochter wohnte Ich legte die Hand über die Augen und lehnte meinen Kopf an die steinerne Umrahmung meiner Thür aber bald machte ein leises Geräusch an der Pforte welche meinen kleinen Garten von der davorliegenden Wiese abschloß mich wieder aufblicken Ein Hund – der alte Carlo Mr Rivers Vorstehhund wie ich auf den ersten Blick sah – stieß mit der Schnauze an das Thor und Mr St John selbst lehnte mit verschränkten Armen darauf Er runzelte die Stirn und sah mich mit ernstem fast unwilligem Blick an Ich forderte ihn auf einzutreten »Nein ich kann nicht bleiben ich bringe Ihnen hier nur ein kleines Paket das meine Schwestern für Sie zurückgelassen haben Ich glaube es enthält einen Farbenkasten Pinsel und Papier.« Ich näherte mich ihm um es entgegen zu nehmen es war eine willkommene Gabe Als ich zu ihm trat prüfte er mein Gesicht wie es schien mit Strenge und Härte ohne Zweifel trug es noch die allzu deutlichen Spuren der eben vergossenen Thränen »Haben Sie die Arbeit Ihres ersten Tages schwerer gefunden als Sie erwarteten « fragte er »O nein Im Gegenteil ich glaube daß ich mit der Zeit sehr gut mit meinen Schülerinnen fertig werden könnte.« »Aber vielleicht Ihre Bequemlichkeit – Ihre Hütte – Ihre Möbeln – haben Ihre Erwartungen getäuscht – Sie sind in der That armselig genug aber – –« Hier unterbrach ich ihn »Meine Hütte ist sauber und wetterfest meine Möbeln sind bequem und hinreichend Alles was ich sehe hat mich dankbar gemacht nicht traurig Ich bin nicht ganz solch eine Thörin daß ich das Fehlen eines Teppichs eines Sofas eines silbernen Bestecks beklagen und beweinen könnte außerdem – vor fünf Wochen besaß ich gar nichts – ich war eine Ausgestoßene eine Bettlerin eine Heimatlose auf der Landstraße – jetzt habe ich Freunde – ein Heim – eine Beschäftigung Ich staune die Güte Gottes an die Großmut meiner Freunde die Milde meines Geschicks Ich bereue nichts – ich beweine nichts.« »Aber Sie empfinden die Einsamkeit wie einen Druck Das kleine Haus da hinter Ihnen ist düster und leer.« »Ich habe kaum noch Zeit gehabt mich eines gewissen Gefühls der Ruhe zu erfreuen wie viel weniger nun unter einem Druck der Einsamkeit ungeduldig zu werden.« »Nun gut Ich hoffe daß Sie die Zufriedenheit welcher Sie Ausdruck verleihen auch empfinden Auf jeden Fall wird Ihr gesunder Menschenverstand Ihnen sagen daß es noch zu früh ist um der schwankenden Furcht von Lots Weib nachzugeben Ich weiß allerdings nicht was Sie verlassen hatten bevor ich Sie kennen lernte aber ich rate Ihnen standhaft jeder