vorüber die beiden Damen verweilten Mary drückte in wenigen Worten freundlich und ruhig ihre Freude darüber aus daß ich wohl genug sei um herunter zu kommen Diana schüttelte den Kopf indem sie meine Hand ergriff »Sie hätten meine Erlaubnis zum Herunterkommen abwarten sollen « sagte sie »Sie sehen noch so fürchterlich blaß aus – und so abgezehrt Armes Kind – armes Mädchen « Diana hatte eine Stimme welche für mein Ohr wie das Girren einer Taube klang Sie besaß Augen deren Blick man nur mit Entzücken begegnen konnte Ihr ganzes Angesicht war voll Reiz und Anmut Marys Züge waren ebenso intelligent – ebenso hübsch aber der Ausdruck war zurückhaltender und ihre Manieren obgleich sanft doch viel reservierter Diana blickte und sprach mit einem gewissen Autoritätsbewußtsein augenscheinlich hatte sie einen Willen Es lag in meiner Natur einer Überlegenheit wie der ihren mit Freuden nachzugeben und mich einem kräftigen Willen zu beugen wo mein Gewissen und meine Selbstachtung es erlaubten »Und was haben Sie hier zu thun « fuhr sie fort »Dies ist kein Platz für Sie Mary und ich sitzen zuweilen in der Küche weil wir zu Hause gern einmal thun was uns beliebt – aber Sie sind ein Gast und müssen ins Wohnzimmer kommen.« »Ich fühle mich hier aber sehr behaglich.« »Das kann nicht sein mit Hannah die umher wirtschaftet und Sie mit Mehl bestäubt.« »Außerdem erhitzt das Herdfeuer Sie auch zu sehr « warf Mary hier ein »Gewiß « fügte ihre Schwester hinzu »Kommen Sie Gehorsam müssen Sie sein.« Und indem sie meine Hand noch immer hielt ließ sie mich aufstehen und führte mich in das innere Zimmer »Nehmen Sie dort Platz « sagte sie indem sie mich auf das Sofa niederdrückte »während wir unsere Mäntel ablegen und den Thee bereiten das ist noch eins von jenen Privilegien das wir in unserem kleinen Ländchen ausüben wir bereiten unsere eigenen Mahlzeiten wenn wir Lust dazu haben oder wenn Hannah Brot bäckt Bier braut wäscht oder bügelt.« Sie schloß die Thür und ließ mich allein mit Mr St John der mir gegenüber saß mit einem Buche oder einer Zeitung in der Hand Prüfend ließ ich meine Blicke durch das Wohnzimmer schweifen dann hefteten sie sich auf mein Gegenüber Das Wohnzimmer war ein ziemlich kleiner außerordentlich einfach ausgestatteter Raum aber es war gemütlich weil die peinlichste Sauberkeit darin herrschte Die altmodischen Stühle waren blankpoliert und der Nußbaumtisch glänzte wie ein Spiegel Einige seltsame alte Porträts von Männern und Frauen vergangener Tage zierten die gemalten Wände Ein Glasschrank enthielt einige Bücher und ein altes wertvolles Porzellanservice Im ganzen Zimmer waren keine überflüssigen Luxusgegenstände – nicht ein einziges neumodisches Möbelstück außer zwei Arbeitskasten und einem Damenschreibtisch von Rosenholz sonst sah alles mit Einschluß des Teppichs und der Vorhänge aus als sei es stets benutzt und stets geschont Es war nicht schwer Mr St Johns Äußeres eingehend zu prüfen er saß so still da wie eins der dunklen Bilder an den Wänden Sein Auge haftete fest auf den Zeilen welche er las und seine Lippen