müsse Es sei durchaus keine Krankheit Er glaube daß meine Genesung wenn sie einmal begonnen eine sehr schnelle sein werde Diese seine Ansichten sprach er in wenigen Worten aus mit einer leisen ruhigen Stimme Und nach einer Pause fügte er in dem Ton eines Mannes der wenig an erläuternde Bemerkungen gewöhnt ist hinzu »eine ziemlich ungewöhnliche Physiognomie ganz entschieden trägt sie nicht das Gepräge der Gemeinheit oder der Gesunkenheit.« »Weit entfernt davon « entgegnete Diana »Ehrlich gesprochen St John – mein Herz zieht mich zu der armen kleinen Seele Ich wollte daß wir ihr für die Dauer nützlich sein könnten.« »Das ist kaum anzunehmen « lautete seine Antwort »Ihr werdet finden daß sie ein junges Mädchen ist welches einen Streit mit seinen Angehörigen gehabt und diese dann unvernünftigerweise verlassen hat Vielleicht gelingt es uns sie jenen wieder zuzuführen wenn sie nicht allzu eigensinnig ist aber ich sehe Linien in ihrem Gesicht die auf Widerstandskraft schließen lassen und mich skeptisch in Bezug auf ihre Lenksamkeit machen.« Er stand und betrachtete mich während einiger Minuten dann fügte er hinzu »Sie sieht klug aus aber sie ist durchaus nicht hübsch.« »Sie ist so krank St John.« »Krank oder gesund häßlich wird sie immer sein Jenen Zügen fehlt die Anmut und Harmonie der Schönheit durchaus.« Am dritten Tage fühlte ich mich besser am vierten konnte ich sprechen mich bewegen im Bette aufsitzen und mich umdrehen Es war wie ich vermutete um die Mittagsstunde als Hannah mir ein wenig Grütze und einige geröstete Brotschnittchen brachte Ich hatte mit Appetit gegessen die Nahrung war gut – ihr fehlte zum erstenmal der fieberische Beigeschmack welcher bis dahin alles vergiftet was ich gegessen Als sie mich verließ fühlte ich mich neu belebt und verhältnismäßig stark und bald darauf wurde ich der Ruhe müde empfand ich den Wunsch nach Bewegung nach Thätigkeit Ich wollte aufstehen aber welche Kleider sollte ich anlegen Nur meine feuchten beschmutzten Gewänder in welchen ich auf dem Erdboden geschlafen hatte und auf dem Moor gefallen war Ich schämte mich in solcher Kleidung vor meinen Wohlthätern zu erscheinen Aber diese Demütigung blieb mir erspart Auf einem Stuhl neben meinem Bette lagen all meine eigenen Kleidungsstücke aber rein und trocken Mein schwarzseidener Rock hing an der Wand Die Spuren des Schlammes waren davon entfernt die Falten welche durch die Nässe entstanden waren geglättet es sah durchaus anständig aus Sogar meine Schuhe und Strümpfe waren gereinigt und wieder brauchbar gemacht Alle Gegenstände zum Waschen im Zimmer sogar Kamm und Bürste um mein Haar zu ordnen Nach einem sehr langwierigen Verlauf bei dem ich mich alle fünf Minuten ausruhen mußte war es mir gelungen mich anzukleiden Meine Kleider hingen lose auf mir denn ich war sehr abgemagert aber diese Mängel bedeckte ich mit einem Shawl und endlich wieder sauber und anständig aussehend – kein Körnchen Schmutz keine Spur von Unordnung die ich so sehr haßte und die mich in meinen Augen tief erniedrigte haftete an mir – kroch ich die steinerne Treppe hinunter mich fortwährend am Geländer haltend ich