sagst daß er unserer gar nicht mehr erwähnt hat « fragte eine der jungen Damen »Er hatte keine Zeit Kinderchen er hatte keine Zeit es war vorüber in einer Minute ja in einer Minute Er war nicht ganz wohl gewesen wie Tags zuvor aber es hatte nichts zu bedeuten und als Mr St John ihn fragte ob eine von euch geholt werden solle da lachte er ihm gerade ins Gesicht ja gerade ins Gesicht Am nächsten Tage fing es dann wieder mit der Schwere im Kopfe an – das sind nun ja schon vierzehn Tage her – und er fiel in Schlaf und wachte nimmermehr auf Er war beinahe schon kalt als Euer Bruder zu ihm ins Zimmer kam und ihn fand Ach Kinderchen das war der letzte von dem alten Stamm – denn ihr und Mr St John seid von einer anderen Sorte als die die schon fort sind Eure Mutter hatte auch viel Ähnlichkeit mit euch und war beinahe ebenso gelehrt Du bist ihr Ebenbild Mary Diana sieht ihrem armen Vater ähnlicher.« Ich fand sie einander so ähnlich daß ich nicht begreifen konnte wo die alte Dienerin denn jetzt begann ich sie für eine solche zu halten irgend einen Unterschied zwischen ihnen fand Beide hatten eine zarte Gesichtsfarbe und waren von schlanker Gestalt Beider Gesichter verrieten Intelligenz und Distinktion Das Haar der einen war allerdings um einen Schatten dunkler und sie trugen es verschieden geordnet Marys hellbraune Locken waren gescheitelt und fielen zu beiden Seiten der Schläfen herab Dianas dunklere Flechten hingen in dichten Wogen über den Nacken Es schlug zehn Uhr »Ihr werdet gewiß euer Abendbrot wollen « bemerkte Hannah »und Mr St John wird seins auch verlangen wenn er nach Hause kommt.« Und sie begann die Mahlzeit vorzubereiten Bis zu diesem Augenblick war ich so damit beschäftigt gewesen sie zu beobachten – ihre Erscheinung und Unterhaltung hatte ein so reges Interesse in mir wachgerufen daß ich meine eigene verzweifelte Lage fast vergessen hatte Jetzt fiel sie mir wieder ein Durch den Kontrast erschien sie mir trostloser entsetzlicher denn zuvor Und wie unmöglich dünkte es mich den Bewohnern dieses Hauses Teilnahme für mich einzuflößen sie an die Wahrheit meiner Not und meines Jammers glauben zu machen – sie zu bewegen daß sie mir eine kurze Rast unter ihrem Dache gewährten Als ich mich an die Thür getastet hatte und zögernd anklopfte fühlte ich daß der letzte Gedanke eine reine Chimäre sei Hannah öffnete »Was wollen Sie « fragte sie mit erstaunter Stimme als sie mich beim Schein der Kerze die sie in der Hand hielt prüfend ansah »Darf ich mit Ihren Gebieterinnen sprechen « fragte ich »Sagen Sie mir nur lieber was Sie von ihnen wollen Woher kommen Sie denn eigentlich « »Ich bin hier fremd.« »Was haben Sie denn um diese Stunde hier zu suchen « »Ich bitte um Nachtquartier in einem Stalle oder sonst wo und um ein Stückchen Brot.« Mißtrauen – gerade die Empfindung welche ich am meisten fürchtete war auf Hannahs Gesicht zu