that ich ohne das leiseste Geräusch Ich öffnete die Thür ging hinaus und schloß sie leise Trübe Dämmerung lag über den Hof gebreitet Die großen Thore waren verschlossen aber ein Seitenpförtchen in einem derselben war nur eingeklinkt Durch dieses ging ich hinaus Dann schloß ich es auch Und jetzt lag Thornfield hinter mir Eine Meile von dort hinter den Feldern zog sich eine Straße hin welche in die entgegengesetzte Richtung von Millcote führte eine Straße auf der ich noch niemals gefahren die ich aber bemerkt und bei deren Anblick ich mich oft verwundert gefragt wohin sie wohl führen möge Dorthin lenkte ich meine Schritte Jetzt durfte ich keinem Nachdenken Raum geben keinen Blick durfte ich zurückwerfen – nicht einmal einen in die Zukunft thun Keinen Gedanken durfte ich weder der Vergangenheit noch der Zukunft weihen Erstere war ein Blatt im Buche des Schicksals das so himmlisch süß – so tödlich bitter – daß es meinen Mut erschüttern würde meine Energie vernichten wenn ich auch nur eine Zeile darin lesen wollte Letztere war eine grauenhafte Öde etwas das der Erde ähnlich als die Sündflut vorüber war Ich ging an den Feldern entlang an Hecken und Gäßchen bis die Sonne aufgegangen war Ich glaube es war ein unendlich lieblicher Sommermorgen Ich weiß noch daß meine Schuhe welche ich wieder angezogen nachdem ich das Haus verlassen hatte bald von Thau durchtränkt waren Aber ich blickte weder zur Sonne empor noch zu dem lächelnden Himmel noch herab auf die erwachende Natur Der Mensch der auf einem schönen Wege zum Schaffot schreitet denkt nicht an die Blumen die am Grabesrand wachsen sondern an den Block und das Beil an die Trennung von Leib und Seele an das gähnende Grab das seiner harrt – und ich dachte an die traurige Flucht und an das heimatlose Umherwandern und ach mit Todesqual dachte ich an das was ich zurückgelassen Ich konnte nicht anders Ich dachte jetzt an ihn wie er ruhelos in seinem Zimmer hin und herwanderte und auf den Sonnenaufgang wartete wie er hoffte daß ich bald kommen und ihm sagen würde daß ich bei ihm bleiben und die Seine werden wolle Ich sehnte mich danach ihm anzugehören ich war in Versuchung zurückzukehren Noch war es nicht zu spät Noch konnte ich ihm den bittern Schmerz der Trennung sparen Ganz gewiß noch war meine Flucht nicht entdeckt Noch konnte ich zurückgehen und seine Trösterin sein – sein Stolz seine Erlöserin aus tiefem Elend vielleicht seine Retterin vom Verderben O jene Furcht vor seiner Vereinsamung – viel schlimmer als meine eigene – wie sie mich marterte Es war ein vergifteter Pfeil in meiner Brust der mir alles zerriß wenn ich versuchte ihn herauszuziehen er tötete mich fast als die Erinnerung ihn mir noch weiter bis zum Sitz alles Lebens hineinstieß In Feld und Busch begannen die Vögel zu singen die Vögel waren einander treu Vögel waren das Sinnbild der Liebe Aber was war ich Inmitten meiner Herzensqual meiner verzweifelten Anstrengung meinen Grundsätzen treu zu bleiben verabscheute ich mich