ich ihn aber bestimmt augenblicklich und für immer verlassen muß – das ist unerträglich Und ich vermag es nicht « Aber dann versicherte eine innere Stimme mich daß ich es doch könne und prophezeite mir daß ich es thun würde Ich kämpfte mit meinem eigenen Entschluß ich wollte schwach sein um den Pfad künftigen Leidens den ich so deutlich vor mir sah zu vermeiden und mein Gewissen zum Tyrannen geworden packte die Leidenschaft an der Kehle und sagte ihr höhnisch daß sie bis jetzt nur mit einem Fuße den Schlamm leicht berührt habe und schwor daß es sie mit seinem eisernen Arm in die unergründlichsten Tiefen der Todesqualen schleudern würde »So reißt mich fort « schrie ich auf »Ein anderer muß mir helfen « »Nein du selbst mußt dich losreißen niemand soll dir helfen Du selbst sollst dein rechtes Auge ausreißen du selbst deine rechte Hand abhauen Dein Herz soll das Opfer sein und du selbst die Priesterin die es darbringt.« Plötzlich sprang ich auf vor Entsetzen fast gelähmt über die Einsamkeit in der nur dieser erbarmungslose Richter sprach – über die Stille durch welche nur eine so furchtbare Stimme tönte Es schwindelte mir als ich so dastand Ich merkte daß ich vor Aufregung und Erschöpfung krank wurde Weder Essen noch Trinken war an diesem Tage über meine Lippen gekommen denn ich hatte nicht einmal gefrühstückt Und mit einem seltsam stechenden Schmerz fiel es mir jetzt ein daß niemand auch nur angefragt habe wie es mir gehe daß keine menschliche Stimme mich aufgefordert nach unten zu kommen Nicht einmal die kleine Adele hatte an die Thür geklopft auch Mrs Fairfax hatte mich nicht aufgesucht »Freunde verlassen stets diejenigen welche vom Glück verlassen sind « murmelte ich als ich den Riegel zurückschob und hinausging Ich strauchelte über ein Hindernis mein Kopf war noch schwindelig mein Blick war getrübt und meine Glieder schwach Ich konnte mich nur langsam erholen Dann fiel ich aber nicht zu Boden ein ausgestreckter Arm fing mich auf ich blickte empor – Mr Rochester stützte mich Er hatte in einem Lehnstuhl vor der Schwelle meines Zimmers gewacht »Endlich kommst du heraus « sagte er »Ich habe schon so lange auf dich gewartet und gehorcht aber ich vernahm kein Geräusch keine Bewegung kein Schluchzen Noch weitere fünf Minuten jener todesähnlichen Stille und ich hätte jene Thür erbrochen wie ein Räuber Also du willst mir ausweichen – Du schließest dich ein und trauerst allein Ich hätte es leichter ertragen wenn du gekommen wärst um mir in Heftigkeit Vorwürfe zu machen Du bist leidenschaftlich ich erwartete eine Scene irgend welcher Art von dir Ich war auf heiße Thränenfluten vorbereitet nur wollte ich daß du sie an meinem Herzen vergießen solltest Jetzt hat ein empfindungsloser Teppich sie aufgesogen oder dein durchnäßtes Taschentuch Aber nein ich irre Du hast gar nicht geweint Ich sehe eine bleiche Wange und ein mattes Auge – aber keine Thränenspur So vermute ich daß dein Herz Blut geweint hat « »Nun Jane Kein Wort des Vorwurfs Keine Bitterkeit