die schlummernde Erde herab »Nun « sagte Mr Rochester indem er mir fragend in die Augen blickte »wie fühlt meine Jane sich jetzt « »Die Nacht ist still und ungetrübt Sir – und ich bin es jetzt ebenfalls.« »Und dir wird nicht wieder von Trennung und Trübsal und Kümmernissen träumen sondern nur von einer glücklichen Liebe und seliger Vereinigung « Diese Weissagung ging nur zur Hälfte in Erfüllung Mir träumte nicht von Trennung und Kümmernissen aber auch ebensowenig von Freude und glücklicher Liebe denn ich schlief überhaupt nicht einen Augenblick Ich hielt die kleine Adele in den Armen und bewachte den glücklichen Schlummer der Kindheit – so ruhig so leidenschaftslos so unschuldig – und so erwartete ich den jungen Tag Das Leben pulsierte mächtig in meinen Adern und als die Sonne aufging erhob auch ich mich Ich erinnerte mich wie fest Adele sich an mich klammerte als ich mich losmachen wollte Ich erinnere mich noch wie innig ich sie küßte als ich ihre kleine Händchen die meinen Nacken umfaßt hielten löste eine seltsame Rührung übermannte mich ich brach in Thränen aus und mußte mich von ihrem Lager fortschleichen aus Furcht daß mein Schluchzen sie wecken könne Sie lag noch in tiefem Schlaf Sie war das Sinnbild meines ganzen bisherigen Lebens und er dem zu begegnen ich mich jetzt festlich schmückte war der gefürchtete aber auch vergötterte Inbegriff meiner Zukunft Sechstes Kapitel Um sieben Uhr kam Sophie um mich anzukleiden es dauerte geraume Zeit bevor sie sich ihrer Aufgabe entledigt hatte so lange daß Mr Rochester welcher über diese Verzögerung ungeduldig geworden wie ich vermute nach oben sandte und fragen ließ weshalb ich noch immer nicht käme Sie befestigte gerade meinen Schleier schließlich hatte ich nun doch den einfachen Tüllschleier nehmen müssen mit einer wertvollen Nadel Sobald es mir möglich entschlüpfte ich ihren Händen um hinunter zu eilen »Halt « rief sie auf französisch »Sehen Sie sich doch im Spiegel an Sie haben nicht einen einzigen Blick hineingeworfen.« Ich wandte mich also noch in der Thür um Im Spiegel sah ich eine Fremde denn jene weißgekleidete verschleierte Gestalt konnte unmöglich mein kleines Selbst sein »Jane « ertönte eine Stimme und eilends lief ich hinunter Am Fuße der Treppe empfing mich Mr Rochester »Zauderin « sagte er »mein Gehirn flammt vor Ungeduld und du zögerst so lange « Er führte mich in das Speisezimmer betrachtete mich prüfend von Kopf bis zu Fuß nannte mich so zart wie eine Lilie und nicht allein den Stolz seines Lebens sondern auch den Wunsch seiner Augen und indem er mir dann sagte daß er mir zum Frühstücken nur zehn Minuten Zeit gestatte zog er die Glocke Einer seiner erst kürzlich gemieteten Diener trat ein »Bringt John den Wagen in Ordnung « »Ja Sir.« »Ist alles Gepäck nach unten gebracht « »Die Leute sind im Begriff es herunterzubringen.« »Gehen Sie jetzt in die Kirche und sehen Sie ob der Geistliche Mr Wood und der Küster bereits dort sind Dann kommen Sie eilends zurück um mir den Bescheid