nicht durch einen Laut sondern wiederum durch einen verräterischen Duft Jasmin und Nelken Stabwurz und Feldrosen haben längst ihr allabendliches Opfer an Weihrauch dargebracht dieser neue Duft entsteigt weder einer Blume noch einem Strauch – er entströmt ich weiß es nur zu wohl Mr Rochesters Cigarre Ich blicke umher und horche Ich sehe die Bäume mit reifenden Früchten beladen Eine halbe Meile von hier entfernt in einem lieblichen Gehölz höre ich eine Nachtigall schlagen Keine sich bewegende menschliche Gestalt ist sichtbar kein nahender Schritt hörbar aber jener Duft wird stärker ich muß fliehen Ich schreite auf die Gitterpforte zu welche in die Baumschule führt – und sehe Mr Rochester eintreten Ich trete seitwärts in die epheuumrankte Nische er wird ja nicht lange verweilen bald wird er dorthin zurückkehren von wo er gekommen und wenn ich mich sehr ruhig verhalte wird er mich vielleicht nicht sehen Aber nein – die Abendruhe ist ihm ebenso wohlthuend wie mir und dieser altertümliche Garten übt die gleiche Anziehungskraft auf ihn und weiter schlendert er Jetzt hebt er den Zweig eines Stachelbeerbusches empor um die reifenden Früchte zu prüfen welche so groß wie Pflaumen sind und schwer zu Boden hängen Dann pflückt er eine reife Kirsche vom Spalier nun wieder beugt er sich zu einer Blumengruppe nieder entweder um ihren Duft einzuatmen oder die Thautropfen in ihren Kelchen zu bewundern Eine große Motte summt an mir vorüber sie läßt sich auf einer Pflanze zu Mr Rochesters Füßen nieder er sieht sie und beugt sich um sie genau anzusehen »Jetzt wendet er mir den Rücken « dachte ich »und ist emsig beschäftigt wenn ich sehr leise und geräuschlos gehe komme ich vielleicht ungesehen davon.« Ich schlich am Rande der Beete entlang damit das Knirschen der Kieselsteine mit denen die Wege bestreut waren mich nicht verraten sollte einige Fußbreit von der Stelle entfernt an welcher ich vorbei mußte stand er zwischen den Blumengruppen augenscheinlich beschäftigte die Motte ihn »Ich werde gewiß unbemerkt vorbeikommen « dachte ich Als ich über seinen Schatten welchen der eben aufgegangene Mond über den Fußpfad warf hinwegschritt sagte er ruhig ohne sich umzuwenden »Jane kommen Sie her und sehen Sie dies Tier an.« Ich hatte kein Geräusch gemacht er hatte auch keine Augen auf dem Rücken – konnte sein Schatten denn fühlen Im ersten Augenblick schrak ich zusammen dann näherte ich mich ihm »Sehen Sie die Flügel an « sagte er »sie erinnert mich an ein westindisches Insekt in England sieht man eine so große und lustige Nachtschwärmerin nicht oft ah nun fliegt sie davon « Und die Motte flog fort Auch ich wollte mich leise davon machen aber Mr Rochester folgte mir und als wir die Pforte erreichten sagte er »Kehren Sie mit mir um es ist eine Sünde an einem so herrlichen Abend im Hause zu sitzen und niemand kann doch wünschen sein Lager aufzusuchen wenn Sonnenuntergang und Mondaufgang so wundersam zusammentreffen.« Es ist einer meiner Mängel daß meine Zunge die oft so leicht die passende Antwort findet mir zuweilen den