betreten konnte Ich stand jetzt in der leeren Halle vor mir war die Thür des Frühstückszimmers zitternd und furchtsam hielt ich inne Welch einen elenden kleinen Feigling hatte die Furcht vor ungerechter Bestrafung in jenen Tagen aus mir gemacht Ich fürchtete mich in die Kinderstube zurückzugehen ich fürchtete mich in das Wohnzimmer einzutreten Zehn Minuten stand ich ängstlich zögernd da das heftige Klingeln der Glocke im Frühstückszimmer entschied ich mußte eintreten »Wer konnte nach mir verlangen « fragte ich mich als ich mit beiden Händen die Thürklinke erfaßte welche mehrere Sekunden meinen Anstrengungen widerstand »Wen würde ich noch außer Tante Reed in dem Zimmer erblicken – Einen Mann oder eine Frau « – Die Klinke gab nach die Thür sprang auf ich trat ein machte einen tiefen Knix blickte auf und sah – einen schwarzen Pfeiler – Als ein solcher erschien mir wenigstens auf den ersten Blick die lange schmale schwarzgekleidete Gestalt welche kerzengerade vor dem Kamin stand das ernste Gesicht welches dieselbe krönte sah aus wie eine geschnitzte Maske die als Kapitäl auf die Säule gestellt war Mrs Reed hatte ihren gewöhnlichen Platz neben dem Kamin inne Sie machte mir ein Zeichen näher zu treten Ich that es und sie stellte mich dem steinernen Fremden mit den Worten vor »Dies ist das kleine Mädchen um dessentwillen ich mich an Sie wandte.« Er denn es war ein Mann wandte den Kopf langsam nach der Seite auf welcher ich stand und nachdem er mich mit zwei neugierigen unter einem Paar buschiger Augenbrauen funkelnden Augen geprüft hatte sagte er feierlich mit einer tiefen Stimme »Sie ist klein von Gestalt wie alt ist sie « »Zehn Jahre.« »So alt « lautete die zweifelnde Antwort und dann fuhr er noch einige Minuten fort mich schweigend zu prüfen Darauf redete er mich an »Ihr Name kleines Mädchen « »Jane Eyre mein Herr.« Als ich diese Worte aussprach blickte ich auf er erschien mir wie ein großer Mann aber ich war ja so klein seine Züge waren groß und wie alle übrigen Linien seiner Gestalt hart und scharf »Nun Jane Eyre sind Sie ein gutes Kind « Unmöglich diese Frage bejahend zu beantworten die kleine Welt die mich umgab war anderer Meinung – ich schwieg Mrs Reed antwortete für mich mit einem ausdrucksvollen Schütteln des Kopfes gleich darauf fügte sie hinzu »Je weniger man über diesen Punkt spricht Mr Brocklehurst desto besser.« »Thut mir in der That leid zu hören sie und ich müssen ein wenig mit einander reden « damit brachte er sich aus der perpendikulären Stellung und installierte seine Person in dem Lehnstuhl welcher Mrs Reed gegenüber stand »Kommen Sie hierher « sagte er Ich ging über den Kaminteppich er stellte mich gerade und aufrecht vor sich Welch ein Gesicht hatte er jetzt wo es sich in gleicher Linie mit dem meinen befand welch eine ungeheure Nase und welch ein Mund welche großen hervorstehenden Zähne »Es giebt keinen schrecklicheren Anblick als den eines unartigen Kindes « begann er »besonders eines unartigen kleinen Mädchens Wissen