»O er hat eine sehr schöne Baßstimme und ein feines Ohr für Musik.« »Und Miß Ingram Was für eine Stimme hatte sie « »Eine sehr reiche volle und mächtige Sie sang entzückend Es war ein Genuß ihr zuzuhören und später spielte sie Ich habe kein Urteil über Musik aber Mr Rochester hat ein sehr treffendes Und ich hörte ihn sagen daß ihre Technik eine außergewöhnlich gute sei.« »Und diese schöne und talentvolle Dame ist noch nicht verheiratet « »Wie es scheint nicht Ich glaube daß weder sie noch ihre Schwester ein bedeutendes Vermögen haben Die Güter des alten Lord Ingram waren zum größten Teil Fideikommiß und der älteste Sohn hat beinahe alles geerbt.« »Aber es nimmt mich Wunder daß kein reicher Edelmann oder Gentleman sich in sie verliebt hat Mr Rochester zum Beispiel Er ist doch sehr reich nicht wahr « »O ja Aber sehen Sie es ist ein beträchtlicher Unterschied im Alter Mr Rochester ist beinahe vierzig und sie kann nicht älter als fünfundzwanzig sein.« »Was bedeutet das Es werden täglich viel ungleichere Ehen geschlossen.« »Das ist wohl wahr Doch ich glaube kaum daß Mr Rochester einen solchen Gedanken hegen würde Aber Sie essen ja nicht Sie haben nichts gegessen seitdem Sie sich an den Theetisch gesetzt haben.« »Nein ich bin zu durstig um zu essen Wollen Sie mir noch eine Tasse Thee geben « Ich war im Begriff auf die Möglichkeit einer Verbindung zwischen Mr Rochester und der schönen Blanche zurückzukommen als Adele ins Zimmer kam und die Unterhaltung in andere Bahnen gelenkt wurde Als ich wieder allein war dachte ich über die Mitteilungen nach welche mir gemacht worden ich sah in mein eigenes Herz prüfte seine Gedanken und Empfindungen und bemühte mich ernstlich solche welche durch die end und pfadlose Wüste der Einbildungskraft geschweift waren mit fester Hand in die enge Bahn der Vernunft zurückzuführen Vor meine eigenen Gerichtsschranken geführt hatte mein Gedächtnis Zeugnis abgelegt von den Hoffnungen Wünschen und Gefühlen die seit der letzten Nacht in mir erstanden waren – von dem allgemeinen Gemütszustand dem ich mich seit beinahe vierzehn Tagen hingegeben hatte die Vernunft war vorgetreten und hatte in ihrer eigenen ruhigen Weise eine einfache ungeschmückte Erzählung gegeben wie ich die Wirklichkeit verworfen und das Ideal mit Heißhunger verschlungen hatte – da sprach ich folgendes Urteil »Daß eine größere Närrin als Jane Eyre niemals auf diesem Erdenrund geatmet habe daß keine phantastischere Idiotin jemals in süßeren Lügen geschwelgt daß niemals ein denkendes Geschöpf mit größerer Begierde Gift verschlungen habe als wenn es Nektar wäre.« »Du « sagte ich »von Mr Rochester wohl gelitten Du mit der Macht begabt ihm zu gefallen Du von irgend einer Bedeutung für ihn Geh Deine Thorheit widert mich an Du hast an zufälligen Zeichen der Bevorzugung Freude gefunden – sehr zweideutige Zeichen welche ein Gentleman von Familie ein Mann von Welt einer Unerfahrenen einer Untergebenen zu teil werden läßt Wie konntest du nur Arme dumme Närrin – Konnte nicht einmal dein eigenes Interesse dich weiser machen Du hast dir heute