in der Silberkammer Silbergeschirr im Werte von vielen hundert Pfund befindet wie jedermann wohl weiß Und sehen Sie für ein so großes Haus befinden sich nur wenig Dienstboten hier weil der Herr sich nur selten im Herrenhause aufhält Und da er ein Junggeselle ist braucht er selbst wenn er kommt nur sehr wenig Aufwartung und Bedienung Aber ich halte es immer für das Beste wenn man die Vorsicht ein wenig übertreibt eine Thür ist bald geschlossen und es kann nicht schaden wenn man einen vorgeschobenen Riegel zwischen sich und allem möglichen Unheil hat Es giebt eine Menge Leute Fräulein die dafür sind alles der Vorsehung anheim zu stellen aber ich sage die Vorsehung will nicht daß man die Mittel verschmäht obgleich sie dieselben oft segnet wenn sie vernünftig angewendet werden.« Und damit schloß sie ihre Rede Es war eine sehr lange für sie und sie hielt dieselbe mit dem Ernst einer Quäkerin Ich stand noch vollständig erstarrt und verdutzt über das was ich für ihre wunderbare Selbstbeherrschung und undurchdringliche Heuchelei hielt als die Köchin eintrat »Mrs Poole « sagte sie zu Grace gewendet »das Mittagessen der Dienstboten wird bald bereit sein Wollen Sie nicht herunterkommen « »Nein Aber setzen Sie mir ein Viertel Porter und einen Bissen Pudding auf ein Speisebrett das will ich dann nach oben holen.« »Wollen Sie kein Fleisch haben « »Nur einen kleinen Bissen und ein Stück Käse das ist alles was ich brauche.« »Und der Sago « »Den brauche ich jetzt nicht ich werde noch vor dem Thee hinunterkommen ich werde ihn selbst machen.« Hier wandte die Köchin sich zu mir und zeigte mir an daß Mrs Fairfax mich erwarte Dann ging ich So sehr war ich damit beschäftigt mein Gehirn über Grace Poole 's rätselhaften Charakter zu zermartern daß ich während des Mittagessens Mrs Fairfaxs Erzählung von dem Vorhangbrand gar nicht hörte Und noch mehr dachte ich über ihre Stellung in Thornfield-Hall nach ich fragte mich weshalb man sie an diesem Morgen nicht ins Gefängnis gesteckt habe oder sie doch wenigstens aus Mr Rochesters Dienst entlassen habe Am vorhergehenden Abend hatte er mir ja fast mit klaren Worten seine Überzeugung von ihrer Schuld mitgeteilt welche geheimnisvolle Ursache hielt ihn denn zurück sie anzuklagen Weshalb hatte er auch mir die tiefste Verschwiegenheit anempfohlen Es war doch seltsam Ein kühner mutiger rachsüchtiger hochmütiger Gentleman schien in der Macht einer der niedrigsten seiner Untergebenen zu sein so sehr in ihrer Macht daß er nicht einmal wagte sie öffentlich anzuklagen viel weniger sie zu bestrafen als sie ihre Hand gegen sein Leben erhob Wenn Grace jung und schön gewesen wäre so würde ich geglaubt haben daß zartere Gefühle als Furcht oder Vorsicht Mr Rochester in Bezug auf sie beherrschten aber häßlich und unangenehm und alt wie sie war konnte ich einem solchen Gedanken nicht Raum geben »Und doch « dachte ich weiter »sie ist einmal jung gewesen ihre Jugend muß mit der ihres Brotherrn zusammengefallen sein Mrs Fairfax hat mir einmal erzählt daß sie schon seit vielen Jahren