Begriff an dem Geruch der Treibhausblumen und der versprengten Essenzen zu ersticken als es mir noch zu rechter Zeit einfiel das Fenster zu öffnen und auf den Balkon hinauszugehen Der Mond schien hell das Gaslicht ebenfalls und die Luft war still und klar Auf dem Balkon standen ein oder zwei Stühle ich setzte mich zog eine Cigarre heraus – ich werde auch jetzt eine nehmen wenn Sie gestatten.« Hier folgte eine Pause welche er damit ausfüllte daß er eine Cigarre herausnahm und anzündete Nachdem er sie an seine Lippen geführt und den Havanna-Weihrauch in die kalte frostige sonnenlose Luft hinausgehaucht hatte fuhr er fort »In jenen Tagen liebte ich auch sogar die Bonbons Miß Eyre und ich knusperte – verzeihen Sie den Barbarismus – ich knusperte abwechselnd Chokoladeconfitüren und rauchte meine Havanna betrachtete die Equipagen welche durch die vornehmen Straßen dem benachbarten Opernhause zurollten als ich in einem eleganten geschlossenen von einem herrlichen Paar englischer Pferde gezogenen Wagen den ich deutlich in dem strahlenden Gaslicht sah die ›voiture‹ erkannte welche ich Celine geschenkt hatte Sie kehrte zurück selbstverständlich pochte mein Herz ungestüm vor Ungeduld gegen das eiserne Gitter auf welches ich mich lehnte Wie ich erwartet hatte hielt der Wagen an der Thür des Hotels meine Flamme – das ist das richtige Wort für eine Opern-innamorata – stieg aus Obgleich sie dicht in einen Mantel gehüllt war – eine unnötige Last an einem so warmen Juniabende – erkannte ich sie sofort an ihrem kleinen Fuße welcher unter dem Rande ihres Kleides hervorsah als sie von dem Wagentritt herunterhüpfte Ich war gerade im Begriff mich über den Balkon zu beugen und in einem Tone welcher nur für das Ohr der Liebe vernehmbar sein sollte ›mon ange‹ zu murmeln als nach ihr noch eine Gestalt aus dem Wagen sprang Auch sie war in einen Mantel gehüllt aber es war ein bespornter Absatz welcher auf dem Straßenpflaster klirrte ein mit einem schwarzen Hute bedeckter Kopf welcher unter der gewölbten porte-cochère des Hotels verschwand »Nicht wahr Miß Eyre Sie haben niemals empfunden was Eifersucht ist Natürlich nicht Ich brauche gar nicht zu fragen Sie haben ja niemals Liebe gekannt Beide Gefühle sollen Sie erst durch die Erfahrung kennen lernen Ihre Seele schläft noch der Schlag soll noch erfolgen der sie wecken wird Sie glauben daß das ganze Leben in dem ruhigen Bache dahinfließt in welchem Ihre Jugend bis jetzt dahinschlich Mit geschlossenen Augen und tauben Ohren lassen Sie sich treiben Sie sehen die Felsen nicht welche in kurzer Entfernung unter der Oberfläche sich erheben Sie hören nicht wie die Fluten sich an den Wellenbrechern bäumen Aber ich sage Ihnen – und merken Sie sich meine Worte – Sie werden eines Tages an dem felsigen Engpaß des Kanals ankommen wo der ganze Lebensstrom sich in Wirbel und Tumult auflöst in Lärm und Schaum und Toben entweder werden Sie an den Felsen in Atome zerschellen – oder eine große Welle wird Sie emporheben und Sie in einen ruhigen Strom tragen – wie es mir geschehen ist