mir nun erwidern daß Sie es nicht sehen wenigstens schmeichle ich mir daß ich das in Ihrem Auge lese – nebenbei gesagt hüten Sie sich davor irgend etwas durch dies Organ auszudrücken denn ich weiß seine Sprache wohl zu deuten Aber nehmen Sie mein Wort darauf – ich bin kein Schurke das dürfen Sie nicht voraussetzen – so viel böse Wichtigkeit dürfen Sie mir gar nicht zutrauen nein dank den Umständen mehr als meinem eigenen natürlichen Hange bin ich ein ganz gewöhnlicher Sünder geworden der in all den gemeinen armseligen Zerstreuungen abgenützt worden ist mit denen die Reichen und Liederlichen das Leben auszuschmücken pflegen Wundern Sie sich darüber daß ich Ihnen dies Geständnis mache Wissen Sie denn daß Sie in Zukunft noch oft finden werden daß man Sie zur unfreiwilligen Vertrauten der Geheimnisse Ihrer Freunde macht Instinktiv werden die Menschen stets wie ich es gethan habe herausfinden daß es nicht Ihre schwache Seite ist von sich selbst zu reden sondern aufmerksam zuzuhören wenn andere von sich sprechen sie werden auch herausfühlen daß Sie nicht mit spöttischer Verachtung auf die Ergüsse ihrer Indiskretion horchen sondern mit wirklicher Sympathie welche nicht weniger tröstlich und ermutigend weil sie in ihren Kundgebungen weder laut noch aufdringlich ist.« »Woher wissen Sie das – Wie können Sie alles dies erraten Sir « »Ich weiß es sehr wohl deshalb spreche ich so frei von der Leber fort als ob ich meine Gedanken in ein Tagebuch schriebe Sie möchten mir gern sagen daß ich stärker als die Verhältnisse hätte sein müssen – ja das hätte ich sein müssen – das hätte ich sein müssen aber Sie sehen – ich war es nicht Als das Schicksal mir ein Unrecht zufügte besaß ich nicht genug Weisheit um kalt und ruhig zu bleiben ich geriet in Verzweiflung – dann entartete ich Und wenn jetzt der lasterhafteste Dummkopf meinen Ekel durch seine gemeine Liederlichkeit erweckt so kann ich mir nicht mehr schmeicheln daß ich besser bin als er ich bin gezwungen zu erklären daß er und ich auf gleichem Standpunkt stehen Ach wie ich wünsche daß ich standhaft geblieben – Gott weiß wie innig ich es wünsche Wenn die Versuchung an Sie herantritt Miß Eyre so fürchten Sie sich vor Gewissensbissen Gewissensqualen sind das Gift des Lebens « »Aber Sir man sagt daß die Reue sie heilt « »Nein Reue heilt sie nicht Besserung mag Heilung für sie sein und ich könnte mich bessern – ich besitze noch Kraft genug dazu – wenn – aber was nützt es denn auch nur daran zu denken gehindert belastet verflucht wie ich bin Und außerdem da das Glücklichsein mir unwiderruflich versagt ist habe ich doch das Recht dem Leben so viel Freuden abzugewinnen wie möglich – und diese will ich haben koste es was es wolle « »Aber dann werden Sie noch mehr ausarten Sir.« »Das ist möglich Aber weshalb sollte ich wenn ich süße neue Freuden haben kann Und ich kann deren haben so süß so frisch so unberührt wie der Honig welchen die