daß er unserer Gesellschaft müde sei und uns entließe Mrs Fairfax legte ihre Strickerei zusammen ich nahm meine Zeichenmappe wir verneigten uns vor ihm erhielten eine steife und kalte Verbeugung als Gegengruß und zogen uns dann zurück »Mrs Fairfax Sie sagten daß Mr Rochester keine auffallenden Eigentümlichleiten besitze « bemerkte ich als ich wieder zu ihr ins Zimmer trat nachdem ich Adele ins Bett gebracht hatte »Nun und besitzt er deren « »Ich glaube wohl Er ist sehr veränderlich und launenhaft.« »Das ist allerdings wahr Ohne Zweifel muß er einem Fremden so erscheinen aber ich bin schon so lange an seine Art und Weise gewöhnt daß ich mir gar keine Gedanken mehr darüber mache Und überdies sollte man sich nicht darüber wundern wenn seine Laune nicht immer gleichmäßig ist.« »Weshalb das « »Teilweise weil es in seiner Natur liegt – und keiner von uns kann gegen seine Natur kämpfen hauptsächlich aber weil er wohl oft traurige und qualvolle Gedanken haben mag die ihn peinigen und seine gute Laune stören.« »Was quält ihn denn « »Familienkummer vor allen Dingen.« »Aber er hat ja keine Familie.« »Jetzt nicht mehr – aber er hatte eine – Verwandte wenigstens Er verlor seinen älteren Bruder vor einigen Jahren.« »Seinen älteren Bruder « »Ja Der gegenwärtige Mr Rochester ist noch nicht sehr lange im Besitz der Güter und des Vermögens erst ungefähr seit neun Jahren.« »Neun Jahre sind eine lange Zeit Liebte er seinen Bruder so zärtlich daß er noch jetzt über seinen Verlust untröstlich ist « »Nein nein – das ist vielleicht nicht der Fall Ich glaube aber daß einige Mißverständnisse zwischen ihnen bestanden Mr Rowland Rochester war Mr Edward gegenüber nicht ganz gerecht und vielleicht war er es auch der den Vater gegen ihn einnahm Der alte Herr liebte das Geld gar sehr und war stets ängstlich darauf bedacht das Familienvermögen und die Güter zusammenzuhalten Der Gedanke das Besitztum durch Teilung zu verringern war ihm unangenehm und doch wünschte er daß auch Mr Edward reich sein solle um den Glanz des Namens aufrecht zu erhalten und bald nachdem er großjährig geworden wurden einige Schritte gethan die nicht ganz gerecht waren und sehr viel Unheil anrichteten Der alte Mr Rochester und Mr Rowland wirkten zusammen um Mr Edward in das zu bringen was er eine peinliche Situation nannte nur damit er sein Glück machen solle Welcher Art diese Lage gewesen habe ich nicht genau erfahren aber sein Gemüt konnte niemals überwinden was er durch dieselbe zu leiden hatte Er brach mit seiner Familie und hat jetzt seit vielen Jahren ein unstetes Leben geführt Ich glaube nicht daß er seit dem Tode seines Bruders der ohne Testament starb und ihn als Erben der Güter hinterließ vierzehn Tage hintereinander in Thornfield ausgehalten hat Und in der That es ist kein Wunder wenn er das alte Haus meidet.« »Weshalb sollte er es denn meiden « »– Vielleicht erscheint es ihm düster.« Die Antwort klang ausweichend – ich hätte gern etwas bestimmteres gehört aber Mrs Fairfax wollte oder konnte