Vorwurf meiner Armuth und Abhängigkeit tönte mir in den Ohren peinlich zwar und drückend aber nur halb verständlich Nun ließ sich auch Jungfer Abbot vernehmen Und Sie dürfen sich gar nicht einbilden daß Sie ebenso viel sind als die Fräuleins Reed und der junge Herr Reed etwa darum weil Mistreß Reed die Gnade hat Sie mit ihren Kindern aufzuziehen Die haben sehr viel Geld und Sie haben gar nichts daher ziemt Ihnen Demuth und Sie werden wohl daran thun etwas leidlicher zu werden Was wir Ihnen sagen ist zu Ihrem Besten fügte Bessie etwas freundlicher hinzu versuchen Sie es mit Dienstfertigkeit und Zuvorkommenheit vielleicht haben sie dann eine Heimat in diesem Hause aber wenn Sie sie sich roh und leidenschaftlich betragen so wird Sie die gnädige Frau ganz gewiß fortschicken Zudem meinte Miß Abbot wird sie unser Herrgott strafen vielleicht schickt er ihr einmal mitten in den Ergüssen ihrer Bosheit den Tod und wo soll dann ihre arme Seele hinkommen Kommen Sie Bessie wir wollen sie allein lassen Um alles in der Welt wollte ich nicht ihr Herz haben Sagen Sie Ihre Gebete her Miß Eyre wenn Sie allein sind denn wenn Sie keine Reue zeigen so möchte am Ende irgend ein Gespenst den Camin herunter kommen und Sie holen Beide entfernten sich nun stießen die Thür zu und sperrten sie hinter sich ab Das rothe Zimmer war eine unbenutzte Stube in der selten ich möchte beinahe sagen nie jemand die Nacht zubrachte es wäre denn daß zufällig ein großer Schwarm von Gästen Gatesheadhall überschwemmte und es nothwendig machte alle Räumlichkeiten des Hauses zu verwenden Dessen ungeachtet war die rothe Stube eine der größten und stattlichsten der Wohnung Eine auf massiven Säulen von Mahagoni ruhende Bettstatt mit einem Himmel von dunkelrothem Damast stand der Bundeslade ähnlich in der Mitte die zwei großen Fenster die Fensterladen stets geschlossen waren von Garnituren und Draperien von derselben Farbe halb verhüllt über den Fußboden breitete sich ein rother Teppich auch den Tisch am Fuße des Bettes deckte ein carmoisinrothes Tuch die Wände waren lichtroth mit einem zarten Hauche von Feuerroth gemalt der Kleiderschrank die Toilette die Stühle sämmtlich von dunkel politirtem Mahagoni Aus diesen tiefen Schatten ringsum erhoben sich hoch und blüthenweiß die aufeinander geschichteten Matratzen und Federpölster des Bettes mit einer schneeigen Marseiller Steppdecke überkleidet am Kopfe des Bettes ragte wohl nicht ganz so hoch wie das erstere ein weiter gepolsterter Sorgenstuhl gleichfalls weiß überzogen und vorne mit einem Fußschemel versehen empor der mir wie ein weißer Thron vorkam Die Stube war kalt weil man sie selten heizte still weil sie von der Kinderstube und der Küche gleich weit entfernt lag feierlich und unheimlich weil man wußte sie werde selten betreten Bloß am Sonnabend kam das Stubenmädchen hinein um von den Spiegeln und Möbeln den ungestört angesammelten Staub einer ganzen Woche abzuwischen Mistreß Reed selbst besuchte die Stube nur in seltenen Zwischenräumen um eine geheime Schublade im Kleiderkasten zu untersuchen welche verschiedene Pergamente ihr Juwelenkästchen und ein Miniaturporträt ihres verstorbenen Mannes enthielt Ihres