Hälften wurden noch durch den starken Untertheil und durch die Wurzeln zusammengehalten doch war der Kreislauf der Säfte unterbrochen und der Baum abgestorben die Aeste an beiden Seiten hingen verdorrt zur Erde und der nächste Sturm mußte das Werk der Zerstörung vollenden Bis dahin war der Baum wohl eine Ruine aber keine ganze Ruine Ihr hattet recht fest einander zu halten sagte ich als wären die Riesensplitter lebende Wesen und könnten mich hören Ich denke Ihr habt doch noch Leben in Euch wiewohl Ihr zerschunden verwittert und abgestorben ausseht denn noch hält Euch die gemeinsame Wurzel zusammen Wohl wird Euch nie mehr grünes Laub schmücken und Vögel werden nie wieder in Eueren Zweigen singen aber Ihr seid nicht getrennt und Ihr könnt einander trösten in Euerem Unglücke Als ich noch einmal nach dem Baumstumpfe blickte schien der Mond gerade durch die Spalte zwischen den zwei Splittern hindurch er sah blutroth und unrein aus schien mir einen trostlosen düsteren Blick zuzuwerfen und verschwand sofort wieder hinter den Wolken Für einen Augenblick trat um Thornfield herum Windstille ein aber weit über Wäldern und Gewässern heulte ein wilder schauerlicher Windstoß er erfüllte mich mit Traurigkeit und ich setzte meinen einsamen Spaziergang fort Ich streifte im Garten herum und hob die abgefallenen Aepfel auf die in Menge auf dem Boden herumlagen dann sonderte ich die reifen von den unreifen und trug sie ins Haus in die Vorrathskammer Darauf begab ich mich ins Bibliothekzimmer um zu sehen ob das Feuer brenne denn auch im Sommer liebte es Mister Rochester besonders an stürmischen Abenden bei seiner Nachhausekunft ein lustiges Feuer im Camin zu finden Das Feuer war schon längere Zeit angemacht und brannte ganz hell Ich stellte seinen Armstuhl in die Caminecke und rückte den Tisch in die Nähe auch ließ ich den Vorhang herunter und stellte die Kerzen bereit Mit diesen Vorkehrungen fertig konnte ich keine Minute ruhig sitzen und rastloser denn je war es mir kaum möglich im Hause zu bleiben Die kleine Uhr im Zimmer und die große Wanduhr in der Halle schlugen zehn Uhr Wie spät es schon ist rief ich Ich will zum Hofthor hinunterlaufen zuweilen ist es mondhell und ich kann von dort aus einen Theil der Straße übersehen Nun kommt er doch wohl bald und wenn ich ihm entgegen gehe gewinne ich wenigstens einige Minuten Der Wind strich durch die hohen Wipfel der Bäume am Gitterthor und der Mond schimmerte wieder auf eine Weile durch das dunkle Gewölk aber so weit ich die Straße auf und ab sehen konnte war alles öde und still Eine kindische Thräne trat mir ins Auge während ich hinausblickte eine Thräne der Ungeduld und getäuschten Hoffnung ich schämte mich und trocknete sie ab Noch immer wartete ich am Thor der Mond hatte sich wieder hinter seinen Wolkenvorhang zurückgezogen und tiefe Finsterniß deckte die Gegend Mittlerweile hatte es auch zu regnen angefangen Ich wollte er käme ich wollte er käme rief ich von trüben Ahnungen gequält in die Nacht hinaus Er hatte versprochen zur Theezeit