den vierundzwanzig Stunden des Tages brachte sie nur diese eine unter den übrigen Dienstleuten zu die ganze übrige Zeit verlebte sie in einer niedrigen mit Eichenholz getäfelten Stube des zweiten Stockwerkes dort saß und nähte sie und lachte wohl auch unheimlich in sich hinein so einsam wie ein Gefangener in seinem Kerker Das Wunderbarste jedoch war daß mich allein aus genommen keine Seele im ganzen Hause ihre sonderbare Lebensweise zu bemerken und sich darüber zu verwundern schien Niemand sprach über ihre Stellung und Beschäftigung im Haushalte niemand bedauerte sie wegen ihrer Abgeschiedenheit und Einsamkeit Eines Tages hörte ich indessen zufällig ein Gespräch zwischen Leah und einem der Waschweiber dessen Gegenstand Grace Poole war Leah sagte etwas was ich nicht vernahm worauf die Scheuerfrau bemerkte Sie bekommt einen sehr guten Lohn glaub ich Und ob erwiderte Leah ich wollte der meine wäre ebenso hoch nicht daß ich Ursache zu klagen hätte denn man ist in Thornfield nichts weniger als filzig allein mein Lohn beträgt kaum den fünften Theil desjenigen den Mistreß Poole erhält Und sie legt Geld beiseite alle Vierteljahre geht sie in die Bank von Millcote Ich bin überzeugt sie hat sich genug erspart um unabhängig leben zu können wenn sie nur von hier fort wollte aber ich glaube sie ist an ihren Platz zu sehr gewöhnt und dann ist sie noch nicht vierzig Jahre alt und stark und fähig genug zu jeder Arbeit Es wäre für sie noch zu früh das Geschäft aufzugeben Sie arbeitet gut denk ich sagte die Waschfrau Ah sie versteht ihre Sache wie niemand erwiderte Leah in bedeutsamer Weise und ihren Platz könnte nicht leicht eine Andere ausfüllen nicht für all das Geld das sie bekommt Das ist 's nicht war die Antwort Ich möchte nur wissen ob der Herr Die Frau wollte fortfahren doch Leah die sich umgedreht und mich bemerkt hatte gab ihr sofort einen Wink Weiß sie 's denn nicht hörte ich das Waschweib flüstern Leah schüttelte den Kopf und das Gespräch hatte natürlich ein Ende Alles was ich daraus entnommen beschränkte sich darauf daß es ein Geheimniß in Thornfield gab von dessen Mitwissenschaft man mich absichtlich ausschloß Der Donnerstag war da und alle Arbeit den Abend zuvor fertig geworden Teppiche deckten den Boden die Bettvorhänge prangten im schönsten Faltenwurfe blendend weiße Bettdecken schmückten die Lagerstätten Auch die Ankleidetische waren in Ordnung die Möbel frisch politirt und Blumen in den Vasen aufgespeichert die Stuben und die Salons sahen so neu und glänzend aus als sie es nur immer durch Menschenhände werden konnten Auch die Halle war gescheuert und selbst die geschnitzte Wanduhr und die Stufen und Geländer der Treppen glänzten blank wie Spiegel der Schenktisch im Speisesaale schimmerte von Silbergeschirr und im Besuchszimmer und dem Boudoir verbreiteten exotische Pflanzen ihren Duft Es war Nachmittag Mistreß Fairfax zog ihr schönstes schwarzes Seidenkleid und Handschuhe an und hing ihre goldene Uhr um denn ihr kam es zu die Gesellschaft zu empfangen die Damen in ihre Gemächer zu geleiten und dergleichen mehr Auch Adela wollte