noch immer hielt er meine Hand fest und ich konnte mich nicht losmachen Ein Ausweg fiel mir ein Ich denke ich höre Mistreß Fairfax kommen sagte ich Gut denn verlassen Sie mich Er ließ meine Hand fahren und ich ging Ich suchte mein Lager wieder auf doch war an Schlaf nicht zu denken Bis zum grauen Morgen trieb ich mich auf hoher und stürmischer See herum wo düstere Wogen mit freundlichem Wellengekräusel abwechselten Zuweilen glaubte ich durch die getheilten Wasser die Küste zu sehen dann und wann trug mich ein prächtiger von freudiger Hoffnung geweckter Wind im Triumph dem Gestade zu doch konnte ich es nicht einmal in der Phantasie erreichen eine widrige Luftströmung wehte vom Lande und trieb mich jedesmal vom Ufer ab Der Verstand bekämpfte den Fieberwahn und drängte die Leidenschaft zurück Zu fieberhaft erregt um ruhen zu können erhob ich mich mit Anbruch des Tages Zweiter Band I Am Tage der dieser schlaflosen Nacht folgte wünschte und fürchtete ich Mister Rochester zu sehen es war mir Bedürfniß den Laut seiner Stimme zu hören allein ich zitterte seinen Blicken zu begegnen In den ersten Morgenstunden sah ich seinem Erscheinen jeden Augenblick entgegen es war zwar nicht seine ausgesprochene Gewohnheit das Lehrzimmer zu betreten allein zuweilen kam er doch auf ein paar Minuten hinein und gerade an jenem Morgen glaubte ich ihn mit Gewißheit erwarten zu können Allein der Morgen verging wie gewöhnlich nichts unterbrach den ruhigen Verlauf von Adelen 's Lehrstunden nur nach dem Frühstücke hörte ich einiges Geräusch in der Nähe von Mister Rochester 's Stube Mister Fairfax 's Stimme diejenige Leah 's der Köchin John 's Frau und auch John 's rauhe Töne konnte ich unterscheiden Was für ein Glück hieß es daß der Herr nicht im Bette verbrannte Es ist immer gefährlich des Nachts in der Schlafstube Licht zu brennen Welche Fügung des Himmels daß er noch Geistesgegenwart genug hatte an den Wasserkrug zu denken Es ist merkwürdig daß er niemanden weckte Wir wollen hoffen daß er sich im Bibliothekzimmer am Sopha nicht erkältet hat Dem vielen Gerede machte eine gebieterische Stimme ein Ende die zur Ruhe und Ordnung mahnte und als ich mich zum Mittagsessen hinunter begebend bei der Stube vorüberkam sah ich durch die offene Thür daß alles wieder hergerichtet war bis auf die Bettvorhänge die noch fehlten Leah stand im Fenster und wusch die Scheiben welche der Rauch ganz geschwärzt hatte Ich wollte sie anreden um zu erfahren was für ein Bericht über das nächtliche Ereigniß im Hause die Runde machte Doch als ich vorwärts trat bemerkte ich eine zweite Person in der Stube ein Frauenzimmer das in einem Armstuhle an der Bettstelle saß und Ringe an die neuen Vorhänge nähte Es war niemand Anderer als Grace Poole Da saß sie ernst und schweigsam wie gewöhnlich in ihrem Kleide aus braunem Stoffe der gewürfelten Schürze mit dem weißen Taschentuche und der weißen Haube Sie war in ihre Arbeit vertieft die ihren ganzen Gedankenkreis in Anspruch zu nehmen schien ihre rauhe Stirne ihre