mehr gleich geblieben als im Anfange unserer Bekanntschaft Ich schien ihm nicht mehr im Wege zu stehen er hatte weiter keine Anwandlungen von vornehmer Kälte wenn er mir unerwartet begegnete war es ihm allem Anscheine nach willkommen immer hatte er ein freundliches Wort oder ein Lächeln für mich bereit Lud er mich zu sich ein so zeigte die herzliche Aufnahme mit welcher er mich beehrte daß ich wirklich die Macht besaß ihn zu unterhalten und daß er in diesen Abendunterhaltungen nicht bloß sein Vergnügen suchte sondern auch darauf Rücksicht nahm daß auch ich mich behaglich fühlte Verhältnißmäßig sprach ich selbst nur wenig hörte ihn aber mit desto größerem Vergnügen erzählen Er war von Natur aus mittheilsam er liebte es einem mit dem Treiben der Welt unbekannten Gemüthe das Dichten und Trachten derselben vorzuführen nicht etwa in Bildern der Verderbniß und Unsittlichkeit sondern in solchen Scenen die durch die Großartigkeit der verhandelten Interessen oder durch ihre charakteristische Neuheit und gänzliche Abweichung von der Alltäglichkeit die Aufmerksamkeit fesselten Es war für mich ein außerordentlicher Genuß diese neuen Ideen in mich aufzunehmen die neuen Gemälde die er mir vorzeichnete zu betrachten ihm in Gedanken durch die unbekannten Regionen zu folgen die er meinem Geiste erschloß und das alles ohne je durch eine zweideutige Anspielung verletzt oder in Verlegenheit gebracht zu werden Die Ungezwungenheit seines Benehmens befreite auch mich von jedem lästigen Höflichkeitskram die ebenso vernünftige als herzliche Vertraulichkeit mit der er mich behandelte zog mich zu ihm hin Zuweilen kam es mir vor als sei er mehr mein Anverwandter denn mein Gebieter doch zeigte er sich zuweilen noch herrisch was ich indes nicht beachtete da ich wußte daß es so seine Art sei Dieses neue zu meinem Alltagsleben hinzugekommene Interesse machte mich so selbstzufrieden so glücklich daß ich aufhörte mich nach der Heimat und Familie zu sehnen Mein kleinlich angelegtes Schicksal schien sich zu erweitern die Leere meines Daseins sich auszufüllen sogar meine Gesundheit besserte sich ich begann kräftiger und stärker zu werden Und war Mister Rochester in meinen Augen noch immer häßlich Nein lieber Leser Dankbarkeit und eine Menge anderer gleich freundschaftlicher Gefühle machten sein Antlitz zu demjenigen Gegenstande den ich am liebsten sah seine bloße Gegenwart in der Stube wärmte mich mehr als das hellste Feuer Bei alldem übersah ich jedoch seine Fehler nicht und in der That wäre es auch unmöglich gewesen da er sie mir sehr oft vor Augen führte Er war stolz bissig barsch gegen Leute die in was immer für einer Weise unter ihm standen im Innersten meines Herzens fühlte ich es nur zu gut daß eine ungerechte Strenge gegen viele Andere seine zu große Güte gegen mich bei weitem aufwog Auch war er sehr launisch sogar unausstehlich mehr als einmal wo er mich ersuchen ließ ihm vorzulesen fand ich ihn ganz allein im Bibliothekszimmer sitzend den Kopf auf seine übereinandergeschlagenen Arme gelehnt und wenn er aufblickte verzerrte ein mürrisches fast boshaftes Grinsen seine Gesichtszüge Doch war ich überzeugt daß seine verdrießliche Laune seine Barschheit seine früheren