die Bewegung entlockte ihm unwillkürlich ein schmerzliches Uff Noch war etwas von der Tageshelle übrig und der Mond glänzte in voller Schönheit ich konnte den Mann ziemlich ins Auge fassen Seine Gestalt war in einen Reitermantel mit Pelzkragen und stählerner Schließe gehüllt genau konnte ich sie also nicht sehen doch schätzte ich sie von mittlerer Größe mit ziemlich breiter Brust Sein Gesicht war braun von starrem Ausdruck und zeigte eine finstere Stirn seine Augen und zusammengewachsenen Augenbrauen verkündigten eben jetzt Zorn und Gereiztheit er war über die jungen Jahre hinaus jedoch noch nicht im mittleren Alter angelangt vermuthlich zählte er fünfunddreißig Jahre Wäre es ein schöner romantisch aussehender junger Herr gewesen ich hätte mich nicht getraut ihn trotz seines Widerwillens zu befragen und ihm meine Dienste aufzudringen Ueberhaupt hatte ich eigentlich noch nie einen schönen jungen Mann gesehen noch viel weniger gesprochen Ich hegte eine theoretische Achtung und Verehrung für Schönheit Eleganz Galanterie und Anmuth doch hätte ich alle diese Eigenschaften in der Gestalt eines Mannes verkörpert angetroffen eine innere Stimme hätte mir sofort zugerufen daß weder jene noch dieser mit mir oder mit irgend etwas an mir sympathisiren könnten und wie dem Feuer dem Blitz oder einem anderen glänzenden doch gefährlichen Gegenstande wäre ich ausgewichen Und selbst wenn dieser Fremdling mir gelächelt mir gutmüthig geantwortet mein Anerbieten freundlich und mit Dank abgelehnt hätte wäre ich meiner Wege gegangen ohne meine Fragen zu erneuern doch das Stirnrunzeln die Rauheit des Reiters gaben mir Muth ich blieb auf dem Platze stehen den er mir angewiesen als er mich gehen hieß und fuhr fort Ich kann nicht daran denken mein Herr Sie in so später Stunde allein auf diesem einsamen Pfade zu lassen bis ich weiß daß Sie im Stande sind Ihr Pferd wieder zu besteigen Er sah mich an als ich dies sagte zuvor hatte er nicht einmal den Blick nach mir gewendet Ich dächte Sie sollten eilen selbst nach Hause zu kommen wenn Sie hier in der Nähe zu Hause sind sagte er Woher sind Sie Von dort unten Uebrigens habe ich durchaus keine Angst im Mondlichte spät Abends auszugehen gerne will ich Ihretwegen nach Hay hinüberlaufen ich muß ohnedies hin und einen Brief auf die Post tragen Dort unten wohnen Sie meinen Sie etwa das Gebäude mit den Zinnen Dabei deutete er auf Thornfieldhall welches der Mond mit seinem hellen Schimmer beschien und aus dem Gehölze hervorhob das unterm Schatten einer westlichen Wolke wie eine finstere Masse dalag Ja mein Herr Wem gehört das Haus Mister Rochester Kennen Sie Mister Rochester Nein ich habe ihn nie gesehen Er wohnt also nicht dort Nein Können Sie mir sagen wo er sich aufhält Ich weiß es nicht Sie sind doch keineswegs eine Dienerin des Herrenhauses Sie sind Er hielt inne und musterte meinen Anzug der wie gewöhnlich sehr einfach war und in einem schwarzen Merinomantel und einem schwarzen Biberhute bestand mein ganzes Aeußere war selbst für eine Herrenmagd lange nicht schön genug Er zögerte mit seinem Ausspruche ich kam ihm zu