einen Theil ihres Charakters und viele ihrer Gewohnheiten angenommen mir harmonischere Gefühle angeeignet geordnetere Gedanken hatten mein Inneres bezogen Ich war gegen meine Verpflichtungen und die eingeführte Ordnung fügsam ruhig und anscheinend zufrieden geworden in den Augen Anderer und theilweise auch in den meinigen erschien ich als ein wohlgeschulter unterwürfiger Charakter Allein das Schicksal trotz in der Gestalt eines ehrwürdigen Mister Nasmyth zwischen Miß Temple und mich ich sah sie kurz nach ihrer Vermählung in Reisekleidern die Postkutsche besteigen ich folgte dem Wagen wie er die Anhöhe hinauffuhr und bald darauf im Thale verschwand dann zog ich mich in meine Stube zurück und brachte den größten Theil des bei dieser besonderen Gelegenheit gewährten halben Ferientages in der Einsamkeit zu Die längste Zeit ging ich im Zimmer auf und ab Ich bildete mir ein bloß meinen Verlust zu betrauern und über dessen möglichen Ersatz nachzudenken doch als ich meine Betrachtungen endigte und fand der ganze Nachmittag sei vergangen und der Abend weit vorgerückt tauchte eine neue Entdeckung in mir auf nämlich die daß ich in der Zwischenzeit einen Umwandlungsproceß erlitten daß ich alles von Miß Temple in mein Gemüth aufgenommene abgelegt daß sie die heitere zufriedene Atmosphäre die ich in ihrer Nähe einathmete mit sich genommen hatte daß ich mich daher in meinem natürlichen Elemente befand meinen alten Affecten überlassen blieb Es war nicht als hätte ich eine Stütze verloren sondern als wäre mir ein Beweggrund entfallen es fehlte mir nicht die Kraft ruhig zu sein nur die Ursache eines solchen Gemüthszustandes blieb aufgehoben Durch mehrere Jahre hindurch war Lowood meine Welt gewesen meine Erfahrungen nach Regeln und dem Systeme der Anstalt bemessen nun erst wurde es mir klar wie groß die wirkliche Welt sei welch ein weites Gebiet der Hoffnungen und Befürchtungen der Empfindungen und Aufregungen sich demjenigen eröffne der den Muth besitzt sich hinauszuwagen um sich wirkliche Lebenserfahrungen inmitten von Gefahren zu sammeln Ich trat zum Fenster öffnete es und sah hinaus Da lagen die beiden Flügel des Gebäudes der Garten der Saum des Waldes der hügelbekränzte Gesichtskreis vor meinen Blicken ausgebreitet Mein Auge überging alle anderen Gegenstände und blieb an den entferntesten Punkten den blauen Berggipfeln haften sie waren es die ich zu überschreiten wünschte das ganze von ihnen umschlossene Gebiet von Felsen und Haideland erschien mir als ein Gefängniß als ein engbegrenztes Exil Ich nahm die weiße Straße aus die sich am Fuße eines Berges hinschlängelte und dann in einer Thalschlucht verschwand wie sehnte ich mich sie weit in die Ferne zu verfolgen Ich rief mir die Zeit ins Gedächtniß zurück wo ich denselben Weg in einer Kutsche zurücklegte ich erinnerte mich jenen Hügel in der Dämmerung herabgefahren zu sein ein Jahrhundert schien mir seit jenem Tage der mich nach Lowood brachte verflossen und nie hatte ich es seit der Zeit verlassen Alle meine Ferien hatte ich in der Schule zugebracht kein einzigesmal war ich von Mistreß Reed abgeholt oder einem Gliede ihrer Familie besucht worden Nicht einmal durch Briefe oder Botschaften stand ich mit der äußeren