unerforschliche Tiefe ich schauderte vor dem bloßen Gedanken zu straucheln und mitten in dieses Chaos hineinzustürzen Während ich diesen für mich ganz neuen Ideengang verfolgte hörte ich die Thür der Vorderseite öffnen Mister Bates trat mit einer Krankenwärterin heraus Als er sein Pferd bestiegen hatte und hinweggeritten war wollte die Letztere eben wieder die Thür schließen ich lief auf sie zu Wie geht es Helene Burns Sehr schlecht war die Antwort Ist Mister Bates ihretwegen hier gewesen Ja Und was sagte er zu ihrem Befinden Er meinte sie würde nicht mehr lange hier sein Gestern gehört hätte dieser Ausspruch für mich bloß die Bedeutung gehabt Helene werde nach Northumberland ihrer Heimat übersiedeln mit keinem Gedanken hätte ich vermuthet daß sie dem Tode nahe Doch jetzt begriff ich augenblicklich um was es sich handle ich erkannte klar und deutlich Helenen's letzte Stunde sei gekommen und ihre Seele werde ins Reich der Geister emporsteigen wenn es ja ein solches gäbe Zuerst erfaßte mich Entsetzen dann durchzuckte mich ein Gefühl des tiefen Schmerzes endlich machte sich der Wunsch die Nothwendigkeit geltend meine Freundin noch einmal zu sehen und ich frug in welcher Stube sie läge Sie liegt in Miß Temple 's Zimmer sagte die Wärterin Kann ich zu ihr und mit ihr sprechen Ach nein liebes Kind das geht nicht an und jetzt ist's Zeit daß Sie hereinkommen sonst erwischt Sie das Fieber wenn Sie draußen bleiben während der Thau fällt Die Wärterin schloß die Frontthür ich ging zu einem Seitenpförtchen hinein welches ins Schulzimmer führte Ich kam gerade recht es schlug neun Uhr und Miß Miller hieß die Schülerinnen sich schlafen legen Es mochte zwei Stunden später etwa um elf Uhr sein als ich es war mir unmöglich gewesen ein Auge zu schließen und aus der im Schlafsaale herrschenden tiefen Stille schloß ich daß alle meine Gefährtinnen fest schliefen leise das Bett verließ meinen Rock über das Nachtkleid anzog und in Strümpfen zum Gemache hinauskroch um Miß Temple's Stube aufzusuchen Sie befand sich am entgegengesetzten Ende des Gebäudes aber ich wußte den Weg und der wolkenlose mondhelle Nachthimmel der durch die Gangfenster schien erleichterte mir mein Vorhaben Ein Geruch von Kampher und verdunstetem Essig warnte mich als ich zum Fieberzimmer kam ich huschte schnell vorüber aus Furcht die Wärterin welche dort die ganze Nacht wachte könnte mich hören Ich hatte Furcht entdeckt und zurückgeschickt zu werden denn ich mußte Helenen sehen sie umarmen bevor sie starb ihr einen letzten Kuß auf den Mund drücken mit ihr noch ein letztes Wort wechseln Nachdem ich eine Treppe herabgestiegen war ein unteres Stockwerk durchschritten und zwei Thüren ohne Geräusch auf und zugemacht hatte erreichte ich eine zweite Treppe die ich hinaufsprang und dicht vor mir lag Miß Temple 's Zimmer Ein Lichtstrahl drang durchs Schlüsselloch und unter der Tür hindurch die tiefste Stille herrschte in der ganzen Nachbarschaft Als ich näher trat fand ich die Thür ein klein wenig offen wahrscheinlich um etwas frische Luft ins Krankenzimmer zu lassen Voll Ungeduld keines langen Zögerns fähig