verstorbenen Mannes in diesen Worten lag das Geheimniß der rotten Stube der Zauberbann welcher dieselbe trotz ihrer Größe öde und verlassen erhielt Mister Reed war vor neun Jahren gestorben in der rothen Stube hatte er seinen Geist ausgehaucht dort hatte er am Paradebett gelegen von dort hatten die Leichenmänner seinen Sarg abgeholt und von jenem Tage an hatte eine gewisse Weihe das Zimmer vor häufigem und längerem Aufenthalte bewahrt Der Sitz auf welchen mich Bessie und die bitterböse Mamsell Abbot festgebannt hatten war eine niedrige Ottomane nächst dem marmornen Caminmantel Vor mir erhob sich das Bett zu meiner Rechten stand der hohe finstere Kleiderschrank in dessen politirten Thüren sich die verschiedenartig gebrochenen Reflexe abspiegelten links präsentirten sich die verhüllten Fenster und ein zwischen den letzteren angebrachter Spiegel gab das unheimlich großartige Bild des Bettes und der ganzen Stube wieder Ich wußte nicht ganz gewiß ob man die Thür zugesperrt hatte ich nahm mir die Freiheit aufzustehen und sah nach Ach ja Nie war der Ausgang eines Kerkers besser verwahrt Zu meinem Sitze zurückkehrend mußte ich vor dem Spiegel vorbei mein Blick fiel unwillkürlich gefesselt darauf gleichsam um die Tiefe zu ergründen die das Glas zu decken schien Alles sah in dieser eingebildeten Vertiefung frostiger und finsterer aus als in der Wirklichkeit und die sonderbare kleine Gestalt mit weißem Gesicht und Armen mit vor Furcht zwinkernden Augen welche sich im düsteren Hintergrunde der Spiegelfläche abzeichnend mir in der unbeweglichen Umgebung zitternd entgegenblickte gemahnte mich an ein wirkliches Gespenst Sie kam mir vor wie eines jener nebelhaften Phantome halb Fee halb Nixe von denen uns Bessie in ihren Märchen erzählt hatte sie stiegen in fernen dunstigen Sümpfen vor den Augen verspäteter Wanderer aus der Erde empor Ich setzte mich wieder auf meinen alten Platz In diesem Augenblicke kam der Aberglaube über mich aber noch hatte die Stunde seines vollständigen Sieges nicht geschlagen Noch rann mein Blut warm durch die Adern noch erhielt mich der trotz der empörten Sklavin in aufrechter Spannung ich mußte eine wilde Fluth von Gedanken aus der Vergangenheit vorbeiströmen lassen bevor der Wellenschlag der Gegenwart an mich gelangen konnte Alle Martern und Qualen die ich von John Reed erduldet alle die stolze Verachtung seiner Schwestern die offene Abneigung seiner Mutter die Parteilichkeit des Gesindes kamen in meinem wild erregten Gemüthe auf die Oberfläche wie der Schlamm in den Fluthen einer aufgetrübten Quelle Warum mußte denn gerade ich immer leiden die Augen traurig zu Boden senken warum verklagte warum verdammte man denn gerade nur mich Warum war es mir denn unmöglich zu gefallen warum nutlos irgend Jemandes Zuneigung erlangen zu wollen Elise das eigensinnige selbstsüchtige Mädchen ward verehrt Georgine mit ihrem launischen Wesen ihrer herben Bissigkeit ihrem herausfordernden und kecken Betragen war bei Allen wohlgelitten Ihre Schönheit ihre rothen Wangen ihre goldenen Locken schienen jedermann zu entzücken und für die Fehler des Kindes schadlos zu haben John wurde nicht das Mindeste in den Weg gelegt geschweige denn daß er gestraft worden wäre wiewohl er den Tauben den Hals umdrehte die