wünschte ich sie herbei denn meine Erwartung wurde so oft getäuscht daß sie nun ungeduldig ist Meine Sehnsucht erreichte den höchsten Grad nachdem die Dämmerung wirklich hereingebrochen war und mich Adela verlassen hatte um in der Kinderstube mit Sophien zu spielen Ich horchte ob unten die Klingel ertönte ob Leah mit einer Botschaft käme zuweilen bildete ich mir ein Mister Rochester's Schritte zu hören und sah nach der Thür in der Erwartung sie öffnen und ihn eintreten zu sehen Doch die Thür blieb geschlossen und nur die nächtliche Finsterniß kam durch 's Fenster herein Doch war es noch nicht so spät sehr oft ließ er mich noch um sieben oder acht Uhr kommen und jetzt war es erst sechs Uhr Wie könnte ich heute Abends umsonst gehofft haben wo ich ihm so viel zu sagen hatte Ich wollte vor allem Grace Poole zum Gegenstande des Gespräches machen und hören was er darauf antworten würde ich hatte die Absicht ihn geradezu zu fragen ob er fest überzeugt wäre daß sie die Thäterin des scheußlichen Mordversuches sei und wenn er es bejahte warum er ihr Verbrechen mit dem Schleier des Geheimnisses bedecke Es kümmerte mich dann wenig ob ihn meine Neugierde aufbrachte es machte mir stets ein besonderes Vergnügen ihn abwechselnd ärgern und wieder besänftigen zu können und ich wußte darin gut Bescheid ein sicherer Instinct hinderte mich zu weit zu gehen nie wagte ich mich über die Grenze hinaus und es war meine größte Freude auf der äußersten Linie angelangt meine Geschicklichkeit versuchen zu können Bei aller achtungsvollen Entfernung wie sie meine Stellung mit sich brachte konnte ich dennoch seine Ansichten ohne Furcht oder Zwang bekämpfen was sowohl ihm als auch mir behagte Endlich ließen sich Tritte von der Treppe her vernehmen Leah erschien doch nur um mir anzuzeigen daß mich der Thee in Mistreß Fairfax 's Stube erwarte Ich begab mich dahin froh doch wenigstens die Treppe hinab gehen zu können denn das brachte mich ja so bildete ich mir ein Mister Rochester näher Wollen Sie keinen Thee nehmen rief mir die gute Dame freundlich entgegen Sie aßen heute so wenig zu Mittag Ich fürchte ordentlich daß Sie krank sind Sie sehen so geröthet und fieberhaft aus Oh ich bin ganz gesund Nie fühlte ich mich wohler Dann beweisen Sie es dadurch daß Sie einen guten Appetit an den Tag legen wollen Sie die Theekanne füllen indes ich diese Nadel abstricke Mit ihrer Aufgabe fertig geworden stand sie auf und schloß die Fensterläden die sie bis jetzt offen gelassen wahrscheinlich um das Tageslicht so lange als möglich zu genießen wiewohl sich inzwischen die Dämmerung in nächtliche Finsterniß verwandelt hatte Es ist heute Abend schönes Wetter sagte sie durch die Fensterscheiben blickend obgleich nicht sternenhell Mister Rochester hatte im Ganzen einen sehr günstigen Tag für seine Reise Seine Reise Ist Mister Rochester verreist Ich wußte ja gar nicht daß er fort wäre O er fuhr gleich nach dem Frühstück fort Er ist nach Leas gefahren Mister Eshton 's Gut zehn Meilen