nahm und sanft meine feuchten Haarflechten drückte trat Mistreß Fairfax aus ihrem Zimmer Wir bemerkten sie anfangs gar nicht obgleich sie ihre brennende Lampe in der Hand trug Es schlug eben zwölf Ühr „Lege rasch Deine nassen Kleider ab “ sagte Rochester zu mir „und ehe Du gehst noch einmal gute Nacht mein Engel “ Er umarmte mich mehrere Male während er diese Worte wiederholte Als ich mich seinen Armen sanft entwand und aufblickte sah ich die gute Mistreß Fairfax ernst und von Staunen ergriffen vor mir Ein lächelnder Blick den ich ihr während ich mich entfernte zuwarf war die einzige Erklärung die ich ihr in diesem Augenblicke zu geben vermochte Als ich aber in mein Zimmer kam befiel mich eine gewisse Angst indem ich bedachte daß die würdige Dame wenn auch nur einige Stunden lang die kleine Scene deren Zeuge sie durch einen Zufall geworden war vielleicht übel deuten könnte Aber bald verdrängte die Freude von der ich wie berauscht war jedes andere Gefühl aus meinem Innern Der entfesselte Sturm tobte vergebens die ganze Nacht hindurch vergebens grollte der Donner am Himmel vergebens schlugen die Blitze mit ihren feurigen Flügeln Ich empfand keine Furcht kaum eine unbestimmte Regung von Ehrerbietung vor der Macht der Elemente Dreimal im Laufe der Nacht kam Rochester an meine Thür um mich zu fragen ob ich mich nicht unwohl fühle oder ängstigte Dies war ganz geeignet mir Muth gegen alle Gefahren und Trost für alles Unglück zu geben Der folgende Tag war herrlich selten wurde die Erde von einem prachtvolleren Junimorgen beleuchtet Nachdem ich bei Mistreß Fairfax gefrühstückt hatte die mir mit einer gewissen Zurückhaltung begegnete über die mir noch nicht erlaubt war Rechenschaft von ihr zu fordern ging ich hinauf zu Adele aber Rochester hatte sie mit ihrem Mädchen in 's Freie geschickt und er selbst empfing mich in unserem Arbeitszimmer Es war nicht mehr ein kalter Gruß nicht einmal ein warmer Händedruck sondern es war eine fast väterliche Liebkosung mit welcher er mich bei meinem Eintritt empfing Ich war schon so vertraut mit meinem Glücke dass ich dieses Entgegenkommen ganz natürlich fand Nachdem er mir eine Schmeichelei über mein gutes Aussehen gesagt hatte über meine „Schönheit“ sogar und über den Glanz meiner hübschen braunen Augen sprach Mr Rochester sogleich von seinen Plänen Er sagte unsere Verbindung solle nach Ablauf der streng vorgeschriebenen vier Wochen stattfinden und er bewilligte mir keinen Tag mehr Neberdies habe er bereits nach London geschrieben und erwarte mit umgehender Post die bei seinem Bankier deponirten Familienjuwelen Er werde sehen ob dieses Geschmeide mir genüge denn er wünsche mich eben so reich gekleidet und geschmückt zu sehen als wäre ich die Tochter eines Herzogs und Pairs mit einer Aussteuer von hunderttausend Pfund Sterling Ich erlaubte mir mich über seine Juwelen und über ihn selbst lustig zu machen „Du vergissest “ sagte ich zu ihm „daß kostbares Geschmeide nur die Schönheit kleidet In eine vornehme Dame verwandelt mit Blumen Diamanten und Spitzen bedeckt würdest Du nicht mehr die kleine Gouvernante