dieses heißgeliebten Sohnes aufgeopfert zur Erinnerung an den fürchterlichen Kampf den ich so tapfer gegen ihn bestanden hatte und den ich Ihnen ausführlich erzählt habe Wie dem auch sein möge meine Gedanken waren damals zu sehr mit andern Dingen beschäftigt um mir wegen eines verlorenen Glückes viel Sorge zu machen Die Gäste von Thornfield-Hall standen auf dem Punkte sich zu entfernen und es schien mir nicht anders möglich als daß vor ihrer Abreise die Verbindung Mr Rochesters mit Blanca Ingram entschieden werden müßte Ich sah daher mit schmerzlicher Neugier den ersten Anzeichen einer fest beschlossenen Verbindung entgegen Ich bemerkte jedoch während der letzten vierzehn Tage des Aufenthalts unserer Gäste durchaus nichts davon Kein Wort keine sichtbare Anordnung ließ auf etwas Derartiges schließen Mistreß Fairfax welche ich zuweilen nicht ohne eine innere Bangigkeit über die Sache auszuforschen suchte wußte entweder nichts oder wollte mir nichts sagen Eines Tages erlaubte sie sich indeß Mr Rochester die bündige Frage vorzulegen ob man bald eine Schloßherrin auf Thornfield-Hall sehen werde Allein er antwortete ihr wie sie mir sagte nur mit einem nichtssagenden Scherze und einem sardonischen Blicke „mit dem man nicht wußte was man machen sollte “ wie sich Mistreß Fairfax sehr richtig ausdrückte Als Mistreß Ingram und ihre Töchter abgereist waren wunderte ich mich ein wenig daß ich Mr Rochester nicht wie ich erwartet hatte fast beständig zu Pferde auf dem Wege zwischen Thornfield-Hall und Ingram-Park sah Allerdings lag Ingram-Park zwanzig Meilen von Thornfield entfernt an der Grenze einer andern Grafschaft aber was kümmert Liebenden die Entfernung was war es namentlich für einen so unermüdlichen Reiter wie Rochester diese zwanzig Meilen am Morgen vor dem Frühstück zurückzulegen Diese Gedanken erweckten Hoffnungen in mir welche ich als verführerische Schlingen gänzlich hätte verbannen sollen das die Verbindung zurückgegangen sei daß das Gerücht die Sache entstellt habe und daß von keiner Seite jemals eine definitive Zustimmung gegeben worden sei Ich beobachtete indeß das Gesicht meines Gebieters um auf demselben Anzeichen von Kummer und Verdruß zu entdecken aber noch zu keiner Zeit war mir dieses Gesicht so wolkenlos und frei von jedem unangenehmen Eindrucke erschienen Wenn ich zuweilen in den Stunden welche ich mit Adele bei Mr Rochester zubrachte einen Anfall von Niedergeschlagenheit hatte und kein Wort sprach so zeigte er sogar um mich zu beruhigen eine ganz natürliche und aufrichtige Heiterkeit wie ein junger Mann der an seiner eigenen Fröhlichkeit Vergnügen findet Nie hatte er unsre Gesellschaft öfter verlangt nie war er so gut und freundlich gegen mich gewesen und ach nie hatte ich ihn so sehr geliebt Achtes Kapitel Rochester’s Heirathsantrag Am Abende vor dem Johannestage war Adele nachdem sie den Nachmittag damit zugebracht hatte in der Umgegend Walderdbeeren zu suchen sehr frühzeitig zur Ruhe gegangen und als ich überzeugt war daß sie schlief ging ich hinunter in den Garten Eine Abtheilung desselben bildete einen Obstgarten ein wahres kleines Paradies von dicht neben einander stehenden Bäumen das vom Hofe durch eine sehr hohe Mauer und von dem übrigen Garten durch eine Buchenallee getrennt war Am