meine Neugier wenig befriedigend allein es war Alles was ich durch meine discreten und indiscreten Fragen erlangte Ueberdies hatte ich so lange die glänzende Gesellschaft sich noch in Thornfield-Hall befand nur seltene und sehr kurze Unterredungen mit dem Herrn des Schlosses Er machte seiner schönen Braut Miß Ingram fortwährend den Hof und ich hatte keine Lust ihre süßen Unterhaltungen zu stören Meine Rolle war mir vorgeschrieben und es kostete mir in Folge der merkwürdigen Freiheit von aller Eifersucht die ich schon Gelegenheit hatte Ihnen auseinander zu setzen wenig Mühe sie einzuhalten Ich nahm die Dinge so wie das Schicksal sie mir bot und da ich voraussah daß sowohl ich als mein Zögling Thornfield früher oder später würden verlassen müssen so genoß ich mit einer schmerzlichen Freude die letzten Tage welche daselbst zu verleben uns noch vergönnt waren Inzwischen ging ein sonderbares Schreiben an mich ein dessen ich jetzt erwähnen muß da es nicht ohne Bedeutung für mich geblieben ist Ein schwarzgeränderter Brief von meinen Cousinen Reed benachrichtigte mich von dem Ableben meiner theueren Tante Indem Eliza und Georgiana mir dieses Ereigniß mittheilten übersandten sie mir zu gleicher Zeit ein kleines Päckchen an meine Adresse das unter den Papieren der Verstorbenen gefunden worden war Dieses Andenken setzte mich anfangs in große Verwunderung die sich jedoch bedeutend minderte als ich wußte wovon die Rede war Das Vermächtniß der Mistreß Reed das ich erwarten durfte war ein merkwürdiger Beweis von der Abneigung welche sie mir stets bewiesen hatte In einem sorgfältig versiegelten Couvert fand ich folgenden Brief „Madame Ich ersuche Sie hierdurch mir gefälligst die Adresse meiner Nichte Jane Eyre mizutheilen und mir zu sagen in welchen Verhältnissen sie lebt da ich beabsichtige ihr in Kurzem zu schreiben und sie zu veranlassen zu mir nach Madeira zu kommen Die Vorsehung hat mir vergönnt ein nicht unbedeutendes Vermögen zu erwerben Ich bin unverheirathet und habe keine Kinder Ich will sie daher für den Rest meines Lebens adoptiren und ihr nach meinem Tode mein Vermögen hinterlassen Ich bin Madame u u John Eyre Kaufmann in Madeira.“ Unter dem Briefe standen folgende Worte von der Hand der Mistreß Reed „Ich habe geantwortet daß Jane Eyre in der Schule zu Lowood am Typus gestorben sei.“ Und dieser Brief war drei Jahre alt Ich bewunderte im Stillen die raffinirte Bosheit welche meine Tante veranlaßt hatte nachdem sie mir lediglich um des Vergnügens willen mir zu schaden ein mögliches Glück zerstört mir nach ihrem Tode zu sagen daß sie mich bis zum letzten Augenblicke ihres Lebens gehaßt hatte So weit das Unglück die Entschuldigung für ein böses Gefühl sein kann war die gute Frau wohl zu entschuldigen denn ich erfuhr später was ich schon aus dem Briefe meiner Cousinen ahnte dass sie von dem unbezähmbaren Egoismus der maßlosen Verschwendungssucht und endlich dem frühen Tode ihres nur zu sehr geliebten Sohnes John Reed des Peinigers meiner Jugend viel zu leiden gehabt hatte Vielleicht hatte sie wie mir erst jetzt beifällt mein Glück das sie in ihrer Hand hielt den Mann